Gschichtldrucker

Von einem Schreiber – für Schreiber

Posts Tagged ‘indie

Adieu, Sven Hüsken

leave a comment »

© Mayersche Buchhandlung Kamen

© Mayersche Buchhandlung Kamen

Manchmal ist das Leben einfach nur unfair.

Vor einigen Tagen genoss ich noch mit meiner Familie einen Urlaub auf Mallorca. An einem Tag war es zu windig, um im Meer zu baden – aber die Sonne schien, die Kinder hatten ihren Spaß, das Meer mit Sand zu beschießen – und auf dem Gesicht meiner Lebensgefährtin zeichneten sich wieder vermehrt so hübsche Sommersprossen ab.

Und dann bekomme ich über Facebook die Nachricht, dass es dem deutschen Autor Sven Hüsken sehr schlecht geht und er sich im Spital befindet. Kurz darauf kam die Nachricht, dass Sven seinem langjährigen Krebsleiden mit noch nicht einmal 40 Jahren erlegen ist.

Ich kannte Sven nicht sehr gut. Man könnte sagen, eine Facebook-Bekanntschaft halt. Aber er war zumindest einer, von dem ich mir gewünscht habe, ihn auch mal im realen Leben zu treffen. Er war für mich eine Inspiration, hat künstlerisch in seinem Leben mehr geschaffen als ich.

Als ich 2001 den HomeMovieCorner – Plattform für Amateur- und Indie-Filme – ins Leben rief, betrachtete ich das eigentlich als Versuchsballon. Mal in den Wald hineinrufen und schauen, was herauskommt. Keine Ahnung, was mich da erwarten würde. Urlaubsvideos? Höchstwahrscheinlich. Und dann bekam ich zwei Filme rein, die meine Meinung über Amateur- und Independentfilme grundlegend änderten. Oder ist „formten“ das passendere Wort? Ich weiß es nicht, ist momentan auch egal. Die beiden Filme waren „Faust – Der Musicalfilm“ der Vorarlberger Truppe Visual Dreams unter der Regie von Simon Meusburger und „Twinraiders“ der deutschen Gruppe Dreamvision Inc., bestehend aus dem Duo Marcel Laube und eben Sven Hüsken.

Nein, „Twinraiders“ war nicht unbedingt die Neuerfindung des Rades, aber der 45-minütige Sci-Fi-Streifen von 1999 war mit viel Herzblut, Idealismus, Einfallsreichtum und Humor gemacht. Kurz, ich hatte viel Spaß daran, wie man hoffentlich auch der Rezension hier entnehmen kann. Das Review war übrigens das erste virtuelle Lebenszeichen des HomeMovieCorner, das Veröffentlichungsdatum 12. Dezember 2001 ist quasi der Geburtstag des HMC. Um den Film zu bekommen, war ich damals sogar bereit, 20 DM auszulegen. Ich muss noch recherchieren, wo sich die VHS-Kassette nach dem Zersplittern der HMC-Crew 2006 befindet, aber ich vermute in den Archiven eines renommierten Filmfestivals.

Sven und Marcel wollten damals noch einen weiteren Film drehen, deshalb blieben wir auch lose in Kontakt. Als dann aus dem Projekt doch nichts wurde, verlor sich dann auch der Kontakt wieder. Ich stieß erst wieder auf Sven Hüskens Namen, als ich das erste Mal von Heiko Benders „Kinder der Nacht II“ las. Das ist ein „lost movie“, ein Film, der niemals fertig wurde. Dabei hatte er viele Stars und Promis wie Porno-Queen Kelly Trump, Ärzte-Drummer Bela B oder Horror-Romanautor Jason Dark („Geisterjäger John Sinclair“) an Bord. Und bei den VFX-Leuten las ich u.a. die Namen von Marco von Moos („Turricon – The Legend of Sollthar“, „NightCast“) und eben Sven Hüsken. Aber das Projekt wurde – obwohl weit fortgeschritten – nie fertig gestellt. Und so verlor ich Sven Hüsken wieder aus den Augen.

Auftritt Facebook: Man kann von den Sozialen Medien halten, was man will – aber um Kontakte wieder zu beleben, ist Facebook einfach unschlagbar. So eben auch im Fall von Sven. Wir „entdeckten“ uns 2011 wieder und schrieben uns von Zeit zu Zeit. Im ersten Moment war ich etwas enttäuscht, dass sich Marcel und Sven vom Film abgewendet hatten. Sie hatten nach „Twinraiders“ zwar noch einmal bei Bavaria Film einen „Raumpatrouille Orion“-Stoff gepitcht – aber daraus wurde nichts.

Wenn ich von einem geschätzten Filmemacher höre, dass er aufhört, dann löst das auch einen Schock bei mir aus. Da kommt immer so eine Conclusio in mir auf – denn wenn der Filmemacher erkannt hat, dass es keinen Sinn mehr macht, wieso strampele ich mich dann noch weiter ab?

Was mich aber erfreute: Sven hatte nicht ganz dem Kreativen abgeschworen. Er war Schriftsteller geworden. Damals waren noch Antworten von einigen Verlagen ausständig. Aber 2013 war es dann soweit. Sein Roman „Papa“ erschien zuerst als E-Book beim renommierten Verlag Droemer Knaur, 2015 dann auch als Paperback. Und wie man Amazon entnehmen kann, soll 2018 dann bei Knaur sein Thriller „Engel“ erscheinen.

Und dann kamen die Postings zu seiner Krebserkrankung. Krebs… bis vor einigen Jahren wusste ich nur, dass das etwas Schreckliches war, das anderen passierte und bei dem man aufrichtiges Mitleid fühlte, gleichzeitig aber froh war, dass der Schierlingsbecher an einem vorbei ging. Doch 2010 starb mein Vater nach einem langen Leiden – und 2011 Jackie Leven, ein schottischer Musiker, der 1994 mein Leben veränderte. Nein, ich selbst habe nicht Krebs, aber diese Krankheit betrifft nicht nur den Erkrankten selbst, sondern auch die ihm nahestehenden Personen. Er vergiftet die Realität und das Leben. Egal wie es ausgeht, danach wird nichts mehr so sein wie früher. Für niemanden.

Sven ging sehr offen mit seiner Krankheit um. In seinen Postings schilderte er seine Schmerzen (die mich auch an Passagen aus „Papa“ erinnerten), die Chemo-Therapien und wie selten und aggressiv seine Tumorart sei. Und doch schwang in seinem Geschriebenen so viel Humor und Positives mit, dass man einfach nicht an ein Ende glauben wollte. Er kämpfte lang, aber es wirkte nicht verkrampft oder verbittert. Erst als seine Frau Katja statt ihm auf seiner Facebook-Site vom Spitalsaufenthalt postete, spürte man, dass die Zeit des Abschieds nah war.

Ich kann nicht mehr über Sven Hüsken sagen, als dass ich ihn gerne mal persönlich kennen gelernt hätte. In einem Posting las ich, dass er sehr schwarzhumorig sein konnte. Die Erfahrung habe ich nicht gemacht – auch nicht in den paar persönlichen Schriftwechseln, die wir hatten. So viel ich beurteilen konnte, war er ein sehr fürsorglicher, humorvoller und positiv denkender Mensch. Das hinderte ihn nicht daran, grausame Bücher zu schreiben – aber ich denke, dass ein Buchautor oder Filmemacher seine Fantasie sehr wohl von seinem Grundwesen trennen kann.

© Dreamvision Inc.

© Dreamvision Inc.

Mach’s gut, Sven – und flieg nicht so rasant mit dem „Twinraider“ herum…

Und seiner Familie, seiner Frau und den beiden Kindern viel Kraft in der kommenden schweren Zeit, wenn der zunächst als surreal empfundene Verlust immer (er)greifbarer wird

Rodja

INFO: www.svenhuesken.de, auf Facebook: www.facebook.com/sven.husken

PS: Das Foto wurde freundlicherweise von Mayersche Buchhandlung Kamen zur Verfügung gestellt, wo Sven 2015 sein Buch „Papa“ vorstellte.

Trailer zu „Kinder der Nacht II“ von Heiko Bender. Ich vermute, dass die VFX-Szenen, in denen die sterbende Vampire sich auflösen, von Sven stammen, denn sie gleichen einer Szene aus „Twinraiders“.

Für den Buchtrailer zu „Papa“ griff Sven noch einmal zur Kamera. Ich bin froh, dass er mit dem Filmemachen aufgehört hat, denn vor Buchstaben fürchte ich mich weniger als vor diesem Filmchen.

Written by Gschichtldrucker

12. August 2016 at 18:12

Veröffentlicht in News, Uncategorized

Tagged with , , ,

Regisseur Oliver Jungwirth veröffentlicht Roman

leave a comment »

sonnenglasterOberösterreich ist mir punkto Filmemacher bis dato eigentlich nicht so recht aufgefallen. Wien, Steiermark, Niederösterreich, ja, sogar aus Tirol weiß ich mehr Indie-Regisseure zu benennen als aus OÖ. Da fallen mir gerade mal Dieter Strauch („Der Kälteeinbruch“, „Love Signs“) und Oliver Jungwirth ein. Was aber auffallend ist: Die Protagonisten ihrer Geschichten sind tief in der Realität verwurzelt, selbst wenn es sich – wie bei Jungwirths Amateurfilm „Bluadsauga“ (über den hier schon berichtet wurde) – um eine Vampirstory handelt.

Anscheinend dürfte Jungwirth aber nicht ganz ausgelastet sein. Ich weiß, dass zu „Bluadsauga“ ein Drehbuch für eine actionreiche Fortsetzung in der Schublade liegt, außerdem haben der Linzer und seine Gruppe Creators Cup mit „Müll“ einen – im wahrsten Sinne des Wortes – Trash-Film in der Postproduktion. Und trotzdem überrascht Jungwirth auch noch alle mit der Selbstveröffentlichung seines Romans „Sonnenglaster“ (nach „Monod“ 2008 nun sein zweiter), der beim Amazon nahestehenden BoD-Verlag CreateSpace Independent Publishing Platform erschienen ist.

Inhalt: Sonnenglaster ist die Geschichte von Susi, die in eine Welt voller Dunkelheit eintaucht und sich mit den Dämonen ihrer Vergangenheit herumschlagen muss. An ihrer Seite ein Fremder, von dem nicht sicher ist, ob er Unterstützer ist oder die größere Bedrohung.

Das Buch kann man u.a. über Amazon bestellen.

Rodja

Homepage Oliver Jungwirth: http://www.creativeturtle.at/

Written by Gschichtldrucker

8. Februar 2013 at 13:23

Veröffentlicht in News

Tagged with , ,

Constantin Film gründet eigenes Microbudget-Label

leave a comment »

Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, dann ist es das meist auch: eben nicht wahr, selbst wenn man es sich noch so sehr wünschen mag. Insofern betrachte ich mal folgende Presseaussendung mit einer gewissen Skepsis (ich alter Pessimist, ich), aber auch mit einer gewissen Hoffnung (ich alter Optimist, ich). Die deutsche Produktionsfirma Constantin Film (u.a. „Die Welle“, „Der Untergang“, „Wir sind die Nacht“) gründet mit Alpenrot ein eigenes Label, das den Projekten talentierter Filmemacher den Weg auf die Kinoleinwand ermöglichen soll.

Unabhängige kleine Produktionsunternehmen, die eine gute Geschichte erzählen wollen und als ausführende Prodzuenten fungieren, sind aufgerufen, Drehbuch und Budgetplan einzureichen. Voraussetzung: Der Film darf nicht über eine Million Euro kosten und alle Auswertungsrechte müssen verfügbar sein.

Alpenrot unterstützt die Filmemacher mit Know-how bei der Finanzierung, berät bei der Herstellung und wird den Vertrieb und Verleih übernehmen. Ziel ist es, neue Talente zu unterstützen, mehr kreatives Potenzial abzuschöpfen und Filmen eine Chance zu geben, die sonst nie eine hätten. Etwa ein bis zwei kommerziell vielversprechende Spielfilmprojekte sollen damit jährlich ins Kino gebracht werden.

Innerhalb der Constantin Film wird das Label auf kreativer Seite von Friederich Oetker und Constanze Guttmann betreut. Christine Rothe begleitet die jeweiligen Projekte von Seiten der Produktion. Um die juristischen Belange kümmert sich Sebastian Bergau.

Rodja

INFO: http://www.alpenrot-film.de

Written by Gschichtldrucker

6. Juli 2012 at 12:15

Veröffentlicht in News, Wettbewerbe

Tagged with , , ,

Tom Bohn: „Wir stehen vor einer unglaublichen Revolution“

leave a comment »

Bohn über die zukünftige Realität des Filmemachens

Wie ja einige wissen, habe ich mal für die Site Indie-Stars.de von Regisseur Tom Bohn die Redaktion geschupft (das war, als Indie-Stars noch unabhängige Filme zeigte und bevor die Firma in eine reine Filmproduktion umgewandelt wurde).

Aus dieser Zeit her kenne ich auch Toms Filmprojekt „Reality XL“, das er – der gestandene Regisseur (u.a. mehrere „Tatorte“ sowie den Kinofilm „Straight Shooter“ mit Heino Ferch und Dennis Hopper) – geschrieben und mit ausbezahlten Lebensversicherungen auch selbst produziert und verfilmt hat. Mit anderen durfte ich die ersten Fassungen gegenlesen und einige meiner Anmerkungen wurden tatsächlich im Film berücksichtigt.

Nun hat die Podcast-Site „Stichwort: Drehbuch“, eine Inititative des Deutschen Drehbuchverbandes, mit Tom Bohn über das unabhängige Schaffen eines Mysteryfilms gesprochen. Dass es kein leichter Weg war, ist klar – dennoch glaubt Tom, dass die Profi-Branche vor einem gewaltigen Umbruch steht.

Zum Podcast geht es hier entlang.

Rodja

FOTO: Rodja Pavlik

Trailer „Reality XL“

Written by Gschichtldrucker

31. Mai 2012 at 09:51

Veröffentlicht in News

Tagged with , , , , ,