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„Der Tod des Philosophen“ – Krimi-Lesung im Schreibmaschinenmuseum Partschins

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© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Es gibt so einige Bücher, deren Titel und Inhaltsangaben zumindest für Schreibmaschinisten spannend klingen. Doch das Ergebnis ist mal mehr (Paul Austers „Die Geschichte meiner Schreibmaschine“), mal eher weniger (Thomas Glavinic‘ „Meine Schreibmaschine und ich“) befriedigend. Und von den reinen Fiktionen, von denen ich eigentlich noch einige Rezensionen abliefern wollte, will ich erst gar nicht reden.

Dennoch reißt es mich jedes Mal, wenn ich von einem Buch höre, das etwas mit Schreibmaschine zu tun hat. So auch bei „Der Tod des Philosophen“ von Annette Warsönke, das als E-Book bzw. demnächst auch als BoD (Book on Demand) erscheint. Da klingt schon einmal die Synopsis sehr spannend.

Passenderweise präsentiert die Autorin ihr Buch am 10. September 2016 in der „Kriminacht“ im Schreibmaschinenmuseum Partschins in Südtirol.

Synopsis: Der Totenschein hat nicht das letzte Wort.

Schreibmaschine Athene glaubt nicht an einen natürlichen Tod ihres Herrn und Meisters, des Philosophen Janus. Sie beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln, kommt jedoch alleine nicht weiter. Aber wem kann sie trauen? Und was haben die Bücher des alten Platon mit dem Fall zu tun?

Annette Warsönke ist im Arbeitsleben Juristin, Autorin von Steuerlehrbüchern wie „Korrektur von Steuerverwaltungsakten“ oder „Körperschaftssteuer – leicht gemacht“, Freie Lektorin (ADM) und Dozentin für Kreatives Schreiben. „Der Schritt von der Juristin zur Kriminalautorin war für mich eine logische Konsequenz aus meiner Arbeit, die oft Spürsinn erfordert und Abgründe zeigt“, so die gebürtige Münchnerin in einem E-Mail-Interview mit den Schreibmaschinisten. Nach „Tödliche Saiten“ ist „Der Tod des Philosophen“ ihr zweiter Roman. Das Buch gab es schon mal unter dem Titel „Die Wahrheit steht zwischen den Seiten“ bei einem Verlag. Da Warsönke mit der Arbeit des Verlags nicht zufrieden war, ließ sie sich die Rechte zurückgeben und bringt es nun in Eigenregie heraus.

© Annette Warsönke

© Annette Warsönke

Auf die Idee, eine Schreibmaschine als Heldin ihres Romans zu machen, kam sie durch eine Schreibübung.

„Die hieß ‚Beschreibe einen Gegenstand in einem Raum‘. Das war schnell erledigt, und ich habe dann einfach weitergeschrieben, wie der Gegenstand als solcher den Raum ‚erlebt‘. Das habe ich dann mit mehreren Gegenständen fortgesetzt. Dabei kam mir die Idee, dass das doch wunderbare Tatzeugen sind. So brauchte ich nur noch eine Ermittlerin – und wer eignet sich dafür besser als eine Schreibmaschine, mit deren Hilfe ja schon unzählige Kriminalromane geschrieben wurden?“, erzählt Warsönke.

Die Autorin gehört selbst noch zu einer Generation, die auf einer Olympia-Schreibmaschine das Maschineschreiben gelernt hat. Laut ihrer Beschreibung handelt es sich um eine der SM-Serie. „Ich kann mir Typenbezeichnungen nie merken – deshalb bastle ich auch nicht an Schreibmaschinen. Das überlasse ich lieber Leuten, die keine zwei linken Hände haben.“

Als Vorbild für die ermittelnde Schreibmaschine Athene diente eine Olympia Modell 8. „Athene ist allerdings ein Freigeist, lässt sich in keine bestimmte Marke zwängen – und deshalb wird ihr Modell im Buch auch nicht genannt. Schließlich hat sie ihre Geschichte ja auch für Schreibmaschinenfans jeglicher Marken aufgeschrieben“, erläutert Warsönke.

© Annette Warsönke

© Annette Warsönke

Besonders reizvoll für die Krimiautorin war die Aufgabenstellung, dass Athene ja eigentlich immobil ist. „Ihr Aktionsradius ist ja sehr limitiert. Athene kann ja nicht wie Disneys Teekannen durch die Gegend tanzen; sie kann zwar die Menschen verstehen, doch Kommunikation ist nur mit anderen Gegenständen möglich. Sie muss sich also etwas überlegen, Verbündete suchen, um Sachen herauszufinden, Zeugen zu befragen, etc. Das ist dann auch einer der Kernpunkte der Geschichte: Ob (und wie) Athene es schafft, trotz ihrer Einschränkungen den Täter zu überführen.“

Den Rohentwurf für den Roman hat Warsönke auf einer Reiseschreibmaschine Olympia Traveller (siehe zweites Bild) geschrieben. Die Überarbeitungen erfolgten dann aber schon auf dem Computer mit der Autoren-Software Papyrus. „Mit der Schreibmaschine zu schreiben war für mich ein ‚zurück zu den Wurzeln‘. Nicht nur zu meinen schreiberischen, sondern auch zu denen meiner Hauptfigur Athene. So war ich ihr beim Schreiben auch gedanklich viel näher, als ich es mit dem Computer sein konnte“, erklärt die Schriftstellerin. Natürlich bedeutete das für sie auch eine Umstellung. „Das Schreiben mit der Schreibmaschine kostet viel mehr körperliche Kraft. Kein großes Problem hatte ich mit Tippfehlern – aber auch nur, weil es ja eh nur der erste Entwurf war… da habe ich die einfach stehen gelassen.“

Rodja

INFO: http://typewriter-athene.blogspot.co.at/; Schreibmaschinenmuseum Partschins: www.schreibmaschinenmuseum.com

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Written by Gschichtldrucker

10. September 2016 at 09:12

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Adieu, Sven Hüsken

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© Mayersche Buchhandlung Kamen

© Mayersche Buchhandlung Kamen

Manchmal ist das Leben einfach nur unfair.

Vor einigen Tagen genoss ich noch mit meiner Familie einen Urlaub auf Mallorca. An einem Tag war es zu windig, um im Meer zu baden – aber die Sonne schien, die Kinder hatten ihren Spaß, das Meer mit Sand zu beschießen – und auf dem Gesicht meiner Lebensgefährtin zeichneten sich wieder vermehrt so hübsche Sommersprossen ab.

Und dann bekomme ich über Facebook die Nachricht, dass es dem deutschen Autor Sven Hüsken sehr schlecht geht und er sich im Spital befindet. Kurz darauf kam die Nachricht, dass Sven seinem langjährigen Krebsleiden mit noch nicht einmal 40 Jahren erlegen ist.

Ich kannte Sven nicht sehr gut. Man könnte sagen, eine Facebook-Bekanntschaft halt. Aber er war zumindest einer, von dem ich mir gewünscht habe, ihn auch mal im realen Leben zu treffen. Er war für mich eine Inspiration, hat künstlerisch in seinem Leben mehr geschaffen als ich.

Als ich 2001 den HomeMovieCorner – Plattform für Amateur- und Indie-Filme – ins Leben rief, betrachtete ich das eigentlich als Versuchsballon. Mal in den Wald hineinrufen und schauen, was herauskommt. Keine Ahnung, was mich da erwarten würde. Urlaubsvideos? Höchstwahrscheinlich. Und dann bekam ich zwei Filme rein, die meine Meinung über Amateur- und Independentfilme grundlegend änderten. Oder ist „formten“ das passendere Wort? Ich weiß es nicht, ist momentan auch egal. Die beiden Filme waren „Faust – Der Musicalfilm“ der Vorarlberger Truppe Visual Dreams unter der Regie von Simon Meusburger und „Twinraiders“ der deutschen Gruppe Dreamvision Inc., bestehend aus dem Duo Marcel Laube und eben Sven Hüsken.

Nein, „Twinraiders“ war nicht unbedingt die Neuerfindung des Rades, aber der 45-minütige Sci-Fi-Streifen von 1999 war mit viel Herzblut, Idealismus, Einfallsreichtum und Humor gemacht. Kurz, ich hatte viel Spaß daran, wie man hoffentlich auch der Rezension hier entnehmen kann. Das Review war übrigens das erste virtuelle Lebenszeichen des HomeMovieCorner, das Veröffentlichungsdatum 12. Dezember 2001 ist quasi der Geburtstag des HMC. Um den Film zu bekommen, war ich damals sogar bereit, 20 DM auszulegen. Ich muss noch recherchieren, wo sich die VHS-Kassette nach dem Zersplittern der HMC-Crew 2006 befindet, aber ich vermute in den Archiven eines renommierten Filmfestivals.

Sven und Marcel wollten damals noch einen weiteren Film drehen, deshalb blieben wir auch lose in Kontakt. Als dann aus dem Projekt doch nichts wurde, verlor sich dann auch der Kontakt wieder. Ich stieß erst wieder auf Sven Hüskens Namen, als ich das erste Mal von Heiko Benders „Kinder der Nacht II“ las. Das ist ein „lost movie“, ein Film, der niemals fertig wurde. Dabei hatte er viele Stars und Promis wie Porno-Queen Kelly Trump, Ärzte-Drummer Bela B oder Horror-Romanautor Jason Dark („Geisterjäger John Sinclair“) an Bord. Und bei den VFX-Leuten las ich u.a. die Namen von Marco von Moos („Turricon – The Legend of Sollthar“, „NightCast“) und eben Sven Hüsken. Aber das Projekt wurde – obwohl weit fortgeschritten – nie fertig gestellt. Und so verlor ich Sven Hüsken wieder aus den Augen.

Auftritt Facebook: Man kann von den Sozialen Medien halten, was man will – aber um Kontakte wieder zu beleben, ist Facebook einfach unschlagbar. So eben auch im Fall von Sven. Wir „entdeckten“ uns 2011 wieder und schrieben uns von Zeit zu Zeit. Im ersten Moment war ich etwas enttäuscht, dass sich Marcel und Sven vom Film abgewendet hatten. Sie hatten nach „Twinraiders“ zwar noch einmal bei Bavaria Film einen „Raumpatrouille Orion“-Stoff gepitcht – aber daraus wurde nichts.

Wenn ich von einem geschätzten Filmemacher höre, dass er aufhört, dann löst das auch einen Schock bei mir aus. Da kommt immer so eine Conclusio in mir auf – denn wenn der Filmemacher erkannt hat, dass es keinen Sinn mehr macht, wieso strampele ich mich dann noch weiter ab?

Was mich aber erfreute: Sven hatte nicht ganz dem Kreativen abgeschworen. Er war Schriftsteller geworden. Damals waren noch Antworten von einigen Verlagen ausständig. Aber 2013 war es dann soweit. Sein Roman „Papa“ erschien zuerst als E-Book beim renommierten Verlag Droemer Knaur, 2015 dann auch als Paperback. Und wie man Amazon entnehmen kann, soll 2018 dann bei Knaur sein Thriller „Engel“ erscheinen.

Und dann kamen die Postings zu seiner Krebserkrankung. Krebs… bis vor einigen Jahren wusste ich nur, dass das etwas Schreckliches war, das anderen passierte und bei dem man aufrichtiges Mitleid fühlte, gleichzeitig aber froh war, dass der Schierlingsbecher an einem vorbei ging. Doch 2010 starb mein Vater nach einem langen Leiden – und 2011 Jackie Leven, ein schottischer Musiker, der 1994 mein Leben veränderte. Nein, ich selbst habe nicht Krebs, aber diese Krankheit betrifft nicht nur den Erkrankten selbst, sondern auch die ihm nahestehenden Personen. Er vergiftet die Realität und das Leben. Egal wie es ausgeht, danach wird nichts mehr so sein wie früher. Für niemanden.

Sven ging sehr offen mit seiner Krankheit um. In seinen Postings schilderte er seine Schmerzen (die mich auch an Passagen aus „Papa“ erinnerten), die Chemo-Therapien und wie selten und aggressiv seine Tumorart sei. Und doch schwang in seinem Geschriebenen so viel Humor und Positives mit, dass man einfach nicht an ein Ende glauben wollte. Er kämpfte lang, aber es wirkte nicht verkrampft oder verbittert. Erst als seine Frau Katja statt ihm auf seiner Facebook-Site vom Spitalsaufenthalt postete, spürte man, dass die Zeit des Abschieds nah war.

Ich kann nicht mehr über Sven Hüsken sagen, als dass ich ihn gerne mal persönlich kennen gelernt hätte. In einem Posting las ich, dass er sehr schwarzhumorig sein konnte. Die Erfahrung habe ich nicht gemacht – auch nicht in den paar persönlichen Schriftwechseln, die wir hatten. So viel ich beurteilen konnte, war er ein sehr fürsorglicher, humorvoller und positiv denkender Mensch. Das hinderte ihn nicht daran, grausame Bücher zu schreiben – aber ich denke, dass ein Buchautor oder Filmemacher seine Fantasie sehr wohl von seinem Grundwesen trennen kann.

© Dreamvision Inc.

© Dreamvision Inc.

Mach’s gut, Sven – und flieg nicht so rasant mit dem „Twinraider“ herum…

Und seiner Familie, seiner Frau und den beiden Kindern viel Kraft in der kommenden schweren Zeit, wenn der zunächst als surreal empfundene Verlust immer (er)greifbarer wird

Rodja

INFO: www.svenhuesken.de, auf Facebook: www.facebook.com/sven.husken

PS: Das Foto wurde freundlicherweise von Mayersche Buchhandlung Kamen zur Verfügung gestellt, wo Sven 2015 sein Buch „Papa“ vorstellte.

Trailer zu „Kinder der Nacht II“ von Heiko Bender. Ich vermute, dass die VFX-Szenen, in denen die sterbende Vampire sich auflösen, von Sven stammen, denn sie gleichen einer Szene aus „Twinraiders“.

Für den Buchtrailer zu „Papa“ griff Sven noch einmal zur Kamera. Ich bin froh, dass er mit dem Filmemachen aufgehört hat, denn vor Buchstaben fürchte ich mich weniger als vor diesem Filmchen.

Written by Gschichtldrucker

12. August 2016 at 18:12

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Writer’s block

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Writer’s block – Schreibblockade.

Been there, done that. Nur so orgiastisch wie am Ende war’s bei mir noch nie. :-/

Rodja

Written by Gschichtldrucker

9. Mai 2016 at 12:31

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Intelligente Schreibmaschine “Freewrite” jetzt bestellbar

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Computer sind wahre Multimediakünstler: Man kann nicht nur damit arbeiten, sondern auch mit ihnen spielen, Musik hören, Filme ansehen oder im Internet surfen. Jede Menge Möglichkeiten… jede Menge Ablenkungen. Und das ist für willensschwache Menschen wie mich ein Problem. Lieber mal schnell ein paar E-Mails checken, als die Deadline für einen Artikel im Auge zu behalten. Und genau vor diesen Ablenkungen soll nun der technisch abgespeckte Computer „Freewrite“ aus den USA schützen.

Ausgehend von einem erfolgreichen Crowdfundingprojekt – damals noch als „Hemingwrite“ (diesen Namen mochte ich eigentlich lieber, keine Ahnung, warum man den geändert hat) – kommt nun der „Freewrite“ auf den Markt.

Das Gehäuse ist aus robustem Aluminium, mit richtigen Tastenmodulen zum Tippen. Doch statt auf Papier blickt man auf einen 5,5-Zoll-E-Ink-Bildschirm. Da E-Ink wesentlich Strom sparender als ein normaler Laptopbildschirm ist, reicht der Akku laut Presseinformationen für mindestens vier Wochen. Die Speicherkapazität selbst beträgt bis zu eine Million Seiten.

© Astrohaus

© Astrohaus

Im Internet surfen oder E-Mails checken geht mit dem „Freewrite“ nicht, das Gerät ist rein zum Schreiben gedacht. Mögliche Ablenkungen von der wichtigen Arbeit wurden mit dem Freewrite eliminiert, versprechen die beiden Entwickler Adam Leeb und Patrick Paul mit ihrer Firma Astrohaus. Für den „Freewrite“ gibt es verschiedene Keyboard-Layouts, man kann also auch die deutsche QWERTZ-Tastatur bestellen. (Edit 30.03.2016: Irrtum meinerseits, es folgt eine Richtigstellung)

Oliver Scheit machte mich auf ein Missverständnis aufmerksam: „Supported keyboard layouts“ bedeutet nicht, dass eine deutsche QWERTZ-Tastatur bestellbar ist. Man kann nur das ISO-Tastatur-Layout bestellen und als Setup „Deutsch“ wählen. Die Tasten sind zwar noch immer englisch QWERTY bedruckt, die Tastatur-Auslegung ist dann Standard-Deutsch QWERTZ mit Umlauten. Für Benutzer, die mit zehn Fingern blind schreiben können, also kein Problem. Wer nicht blind schreibt, hat dann ein Problem. Da es jedoch eine Cherry-Tastatur ist, können diese Tasten ausgetauscht werden. Dafür gibt es auch Bezugsquellen im Internet, meint Oliver.

Die „Schreibmaschine“ ist auch für Drehbuchautoren interessant. Soweit ich mich erinnern kann, gibt es bestimmte Shortcuts/Markups, mit denen man den Text in ein Drehbuchformat bringen kann.

Ganz aufs Internet wird aber nicht verzichtet, mittels WiFi oder Bluetooth kann man Texte mit Google Docs oder Evernote synchronisieren und speichern bzw. zur weiteren Verarbeitung auf den PC oder den Laptop verschicken. Der „Freewrite“ kann aber auch völlig vom Internet abgeschottet werden, da auch noch ein USB-C-Anschluss vorhanden ist. (Das sind die kleinen Anschlüsse – ich frage mich, ob es dafür USB-Sticks gibt.)

Wer bis Ende März das Gerät über die Website Getfreewrite.com bestellt, bezahlt 499 US-Dollar (exkl. Zoll). Danach steigt der Preis auf 549 US-Dollar (exkl. Zoll). Die Auslieferung soll noch im März starten.

© Astrohaus

© Astrohaus

Ich habe den „Freewrite“ schon seit einiger Zeit im Blickfeld. Ja, ich war sogar ein Unterstützer der Crowdfunding-Aktion mit der höchsten Option – nämlich eines der Geräte zu bekommen. Ja, ich war bereit, viel Geld dafür auszugeben. Doch je mehr ich darüber nachdachte und Informationen darüber bekam, desto nachdenklicher wurde ich. Bereits in einem anderen Blog-Beitrag habe ich erklärt, warum ich mich dann doch entschloss, aus dem Crowdfunding-Projekt wieder auszusteigen.

Das heißt nicht, dass ich mich jetzt für den „Freewrite“ nicht mehr interessiere. Ich will nur mehr Informationen bekommen bzw. die ersten Praxistests abwarten.

© Astrohaus

© Astrohaus

Nun ist es bald soweit – und die ersten Pressetexte lassen mich noch immer etwas unschlüssig zurück. War in ersten Informationen noch von einer Akku-Laufzeit von sechs Wochen die Rede, sind es jetzt nur noch vier Wochen plus. Und das auch nur bei einer Nutzung von einer halben Stunde pro Tag. Das kommt mir allerdings etwas wenig vor. Wenn man bedenkt, dass meine mechanische Schreibmaschine 24/7 nur auf mich wartet – und ich so zwei, drei Stunden täglich damit arbeiten kann, bevor MEIN Akku (Anm.: der geistige) schlapp macht.

Allerdings… so sparsam die Schreibmaschine auch ist – sie braucht Papier. Da ist „Freewrite“ natürlich viel praktischer, denn auf dem Gerät können bis zu einer Million Seiten gespeichert werden. Laut Pressetext. Leider steht da nicht, ob sich die Seitenzahl auf das A4-Format bezieht, oder ob darunter die Seiten zu verstehen sind, die diesem 5,5-Zoll-Display entsprechen. Quasi E-Book-Seiten halt.

Ein Computer ist in der heutigen Gesellschaft doch akzeptierter als eine Schreibmaschine. Und so wird das auch mit dem „Freewrite“ sein. Mit dem Laptop im Café zu sitzen ist heute gang und gäbe. Mit einer Schreibmaschine ist das schon schwieriger. Sie ist halt lauter – und man wird als störend empfunden und gebeten, doch woanders zu tippen. (Ja, ist mir schon einmal passiert. Ich verstehe das ja auch und höre dann auch mit dem Tippen auf.)

Kommen wir nun zum vermeintlich größten Kritikpunkt: dem Preis. Natürlich sind rund 500 bzw. 550 US-Dollar ein stolzer Preis. Aber man darf nicht vergessen: Der „Freewrite“ ist ein Nischenprodukt. Er ist nicht für die Massen gedacht. Er ist für Schreiber gedacht. Und da kann ich mir durchaus vorstellen, dass das Gerät seinen Markt findet. Natürlich, auf Laptops gibt es Word oder CeltX oder Final Draft, aber da gibt es eben auch die vielen Quellen der Ablenkung. Und ja, es gibt Apps, bei denen man eine bestimmte Zeit einstellt – und dann kann man halt diesen Zeitraum nicht im Internet surfen.

Aber Autoren ticken nun einmal anders. Sie sind auf der Suche nach dem für sie perfekten Schreibgerät. Und sollte ich das Gefühl haben, endlich mit dem „Freewrite“ meinen ersten Roman fertig stellen zu können, dann ist mir das Gerät den Preis auch wert. Egal, ob 500, 550 oder 600 US-Dollar.

Das hier sind alles nur rein theoretische Gedankengänge zum „Freewrite“, der „Schreibmaschine“ der neuen Zeit. Vielleicht würden viele Bedenken einfach weggewischt werden, könnte ich das Gerät doch nur einmal ausprobieren, meine Hand darauf legen, die ersten Texte problemlos abspeichern und auf meinen Computer übertragen. Aber nein, das ist leider nicht möglich. Ich müsste den „Freewrite“ quasi blind bestellen und darauf vertrauen, dass das Ding halt doch das kann, was ich will. Und da ist mir das Risiko zu groß. Da bleibe ich doch lieber meinen Schreibmaschinen treu.

Da die Auslieferungen jetzt im März starten (sollen), werden wohl bald die ersten hands-on-reviews erfolgen. Ganz besonders gespannt bin ich auf die Meinung von Oliver Scheit, ebenfalls einem Schreibmaschinisten. Oliver ist ein Backer der „Freewrite“-Crowdfundingaktion gewesen und sollte bald sein Gerät bekommen. Er plant, auf seiner Site Schmasch.de eine ausführliche Rezension zu veröffentlichen. Darauf bin ich schon sehr gespannt.

Rodja

INFO: http://getfreewrite.com

Written by Gschichtldrucker

27. März 2016 at 08:29

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kindle storyteller award 2015

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© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Durch Richard Norden und sein empfehlenswertes E-Zine Writers Workshop bin ich auf den kindle storyteller award 2015 aufmerksam geworden.

Wer mindestens 18 Jahre alt ist und bis zum 15. September 2015 ein mindestens 45.000 Wörter, unveröffentlichtes Manuskript (Genre egal) bei Kindle hochlädt und in den „Suchstichwörtern“ das Keyword „kindlestoryteller2015“ einfügt, nimmt am Wettbewerb teil. Es gilt der Zeitpunkt des Hochladens. (Genauere Infos zu den Teilnahmebedingungen hier).

Zu gewinnen gibt es 10.000,- Euro in bar, ein Amazon-Marketing-Paket (whatever that is) im Wert von 20.000,- Euro und eine Veröffentlichung in klassisch-haptischer Buchform durch den Bastei Lübbe Verlag.

In der Jury, die angesichts der zu erwartenden Eingänge sicher seeeeehr schwer beschäftigt sein wird, sind u.a. die „Tatort“-Schauspielerin und Schriftstellerin Andrea Sawatzki sowie das Autorenduo Volker Klüpfel und Michael Kobr („Kommissar Kluftinger“).

Also, wer etwas in der Schublade hat, raus damit! Und wer 45.000 Wörter noch schnell schreiben kann… ebenfalls mitmachen!

Rodja

INFO: kindle storyteller – Der Deutsche Selfpublisher Award

Written by Gschichtldrucker

9. August 2015 at 06:49

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Geisterjäger John Sinclair und der Kampf mit der Schreibmaschine

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Groschenhefte. Schundromane. Trivialliteratur. Die Bezeichnungen für Heftromane sind ja nicht gerade schmeichelhaft. Als ich ein Kind bzw. Jugendlicher war, waren die Hefte bei uns daheim verpönt. Dabei kann ich mich noch erinnern, dass mein Vater einmal einen Roman über einen Pall-Mall-kettenrauchenden Privatdetektiven namens John Dunn (die Figur basierte übrigens auf einem Comic, den ich so zwischen 13 und 14 zeichnete) an der Schreibmaschine anfing. Und soweit ich mich erinnere, ging es in die Richtung Heftroman, die mein Vater eigentlich ablehnte. Sei’s drum, ich kam nie in den Genuss der Abenteuer von Jerry Cotton, Lassiter oder Perry Rhodan, obwohl mich ihre Cover in der Trafik, in den Bahnhofskiosks oder in den Romanschwemmen mehr als nur anlachten.

Und dann kam man in ein Alter, in dem man sich anderen Dingen zuwendete. Erst die TV-Doku „Die Kunst der Schundliteratur“ (A 2009) von Werner Boote (bekannt für seine Dokumentationen „Plastic Planet“ und „Population Boom“), die einen Blick auf die Autoren der Romanhefte warf, machte mir diese Literaturszene erstens wieder bewusst, zweitens klar, wie viel Arbeit dahinter steckt, im Wochenrhythmus neue Geschichten zu entwerfen.

Einer der Helden dieser Romane ist John Sinclair, seines Zeichens Geisterjäger. Ob Zombies, Vampire, Werwölfe, Ghoule oder Hexenmeister – seit 1973 macht der wackere Mann im Auftrag von Scotland Yard und des Bastei Verlags Jagd auf diese unheimlichen Entitäten. Sinclairs „Vater“ heißt Helmut Rellergerd. Dieser Name ist wohl eher Insidern bekannt, das Pseudonym Jason Dark hat sich aber als fixe Marke etabliert. Seit über 40 Jahren schreibt Rellergerd wöchentlich einen Roman fertig. Und selbst heute – im Zeitalter des Computers – geschieht dies mit einer Schreibmaschine.

Band 1.928, erschienen am 23.06.2015 im Bastei Verlag

Band 1.928, erschienen am 23.06.2015 im Bastei Verlag

Nein, Helmut Rellergerd ist wahrlich kein Freund des Computers. Diese Tatsache lässt er im Telefoninterview mit den Schreibmaschinisten (einer meiner vielen Blogs, beschäftigt sich mit Schreibmaschinen) immer wieder durchblitzen. Wie auf dem Foto hier ersichtlich, arbeitet der Autor, der im Jänner erst seinen 70. Geburtstag feierte, mit einer grünen Olympia Monica.

Spätestens um acht Uhr in der Früh verwandelt sich Rellergerd in seinem Haus in Bergisch Gladbach bei Köln in Jason Dark und bearbeitet im Arbeitszimmer seinen „Hackkasten“, wie er seine mechanische Schreibmaschine leicht despektierlich nennt, im 2 ½-Finger-System. (Anm.: Ich versuche mir gerade vorzustellen, welche Finger er damit meint.) An die 2.000 Romane hat er so geschrieben – und als Puffer hat er noch zwölf Manuskripte auf Halde liegen. Sicher ist sicher.

Die Heftromane entstehen irgendwie verkehrt herum. Zuerst steht nämlich das Titelbild – und darauf aufbauend wird dann der Roman geschrieben. Rellergerd erhält vom Bastei Verlag mehrere Titelbilder zur Auswahl. Jenes, das ihn am meisten inspiriert, wird mit einem Titel versehen zurückgeschickt. Danach geht es an die Arbeit.

Der Roman wird in einem Guss getippt, Ausbesserungen erfolgen dann noch höchstens mit dem Kugelschreiber. Zwischen acht und zwölf Uhr werden ungefähr 20 bis 30 Seiten pro Tag produziert. Um das Romanformat von 65 Seiten zu befüllen, braucht Mr. Dark 100 maschingeschriebene Seiten, erzählt er. Erst am Tag vor dem Interview hat er wieder einmal sein Lieblingswort geschrieben. „Und wissen Sie, welches das ist? ‚Ende!’“, schmunzelt Rellergerd.

Bis vor kurzem hat Jason Dark noch vier Romane pro Monat geschrieben. Doch auf Drängen seiner Frau tritt der Schriftsteller nun etwas kürzer. Heute schreibt er „nur“ noch drei Romane im Monat. Im Laufe seiner über 40 „Berufsjahre“ hat der Vielschreiber nur zwei Schreibmaschinen verschlissen, die Olympia Monica ist nun sein drittes Arbeitsgerät (Anm.: Man rechne das bitte mal in Computergenerationen um.) Dabei pflegt er die Maschine nicht einmal besonders. „Das einzige, was ich mache, ist die Typen mit einer Stecknadel zu reinigen.“ Da auch Reparaturwerkstätten für Schreibmaschinen immer seltener werden, hat sich Rellergerd vorsorglich zwei Ersatzmaschinen zugelegt. Neben seinen Kofferschreibmaschinen hatte er auch mal eine Reiseschreibmaschine. „Die habe ich aber meinem Enkel geschenkt. Der tippt so gerne damit.“

© Olivier Favre

© Olivier Favre

Aber auch Rellergerd merkt, dass die Ressourcen für Schreibmaschinenartikel knapp werden. „Vor einiger Zeit gab es einen Mangel an Pelikan-Farbbändern. Da musste ich zum ersten Mal etwas machen: Und zwar über Amazon bestellen“, erzählt der Schriftsteller im Tonfall eines Verschwörers.

Trotzdem will er nicht mit dem Computer arbeiten. Man merkt Rellergerd den Widerwillen im Gespräch richtig an. Das Arbeiten mit der Schreibmaschine habe sogar eine prophylaktische Wirkung, ist der 70-Jährige überzeugt. Anders als bei einer Computertastatur, wo die Hand starr über den Tasten schwebt und sich nur die Finger bewegen, würde man bei der Schreibmaschine mit der ganzen Hand und den Armen arbeiten. „Ich habe noch nie eine Sehnenscheidenentzündung gehabt. Auch keinen Tennisarm – im Gegensatz zu einigen meiner Kollegen“, konstatiert der Schriftsteller.

Ob vom Verlag nicht mal der Hinweis gekommen sei, dass es vielleicht ganz hilfreich wäre, das Manuskript in einer Computerdatei zu bekommen? Damit habe es eigentlich nie Probleme gegeben, so Rellergerd. Und wie läuft der Arbeitsprozess ab? Werden die maschingeschriebenen Seiten eingescannt und per E-Mail verschickt? Nein, erklärt er. Bei ihm in der Nähe wohnt eine Frau, die das Manuskript abtippt und als Datei an den Verlag schickt. Bezahlt wird sie vom Verlag. Er selbst sieht seinen Roman erst dann wieder, wenn ihm das Belegexemplar zugeschickt wird.

Auf die Frage, ob noch andere seiner Kollegen mit der Schreibmaschine arbeiten, muss Rellergerd kurz nachdenken: „Es gibt einige, die ihre Romane mit dem Füller vorschreiben. Aber mit der Schreibmaschine? Nein, da kenne ich keine“, so der Autor abschließend.

Rodja

INFO: www.bastei.de

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26. Juni 2015 at 11:53

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Sven Hüsken – vom Indie-Filmer zum Buchautor

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papaVoriges Jahr habe ich mit der Rezension zu „Twinraiders“ (D 1998/99) von Sven Hüsken und Marcel Laube die Kritik zu einem HMC-Klassiker reaktiviert und upgedatet. Der Film fiel durch einige sehr nette Plots und Effekte auf. Leider erfuhr ich beim Nachfragen, dass Hüsken und Laube danach – obwohl geplant – nie wieder einen Film drehten. Das fand ich sehr betrüblich. Aber ich erfuhr, dass Sven Hüsken unter die Buchautoren gegangen ist, und seinen ersten Roman „Papa“ als E-Book beim Verlag Droemer Knaur herausgebracht hat.

Synopsis: Sorgender Ehemann, liebender Vater, eiskalter Killer!

Zwei Jahre ist es nun her, dass Thomas Ried wegen mehrfachen Mordes verhaftet wurde. Niemand – und am allerwenigsten seine Frau Michelle – ahnten etwas von der bestialischen Seite des Mannes, der ein vollkommen normales Leben zu führen schien, bis eines seiner Opfer entkommen konnte. Michelle und ihre Tochter Lillian sind gerade dabei, sich ein neues Leben aufzubauen, als sie eine erschreckende Nachricht erreicht: Thomas ist aus der Psychiatrie ausgebrochen. Kurz darauf verschwindet Lillian bei einem Einkauf – zurück bleibt lediglich ein Polaroidfoto, auf dem zwei Zeichnungen zu sehen sind: ein Schaf und ein Wolf…

Und danach hat Hüsken sich doch noch mal die Kamera geschnappt – und einen Trailer zu seinem Buch gedreht. Und ich muss sagen… Gut, dass er seine filmischen Ambitionen nicht mehr weiter verfolgt. Denn wenn er so etwas wie diesen Trailer in Spielfilmlänge drehen würde, würde ich wahrscheinlich nie wieder einen Fuß vor die Tür setzen, geschweige denn jemals wieder unter dem Tisch hervorkommen. So kann ich mich wenigstens trösten: „Es sind nur Buchstaben. Es sind nur Buchstaben.“

Inzwischen hat Hüsken bei Knaur eBooks auch den Thriller „Der weiße Clown“ herausgebracht.

Rodja

PS: Und wenn er mir mit dem Trailer auch 1.000 Mal Lust auf das Buch macht… Ich bin noch nicht bereit für E-Books!!! Aber letzten Informationen soll „Papa“ nun auch als Paperback herausgebracht werden.

FOTO: Droemer Knaur Verlag

INFO: www.svenhuesken.de

Vorsicht! Empfindliche sollten den Trailer besser nicht anklicken!!!

Written by Gschichtldrucker

4. Oktober 2014 at 10:28

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