Gschichtldrucker

Von einem Schreiber – für Schreiber

Archive for April 2017

Penna – ein von der Schreibmaschine inspiriertes Keyboard

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Obwohl die Schreibmaschine an sich in der heutigen Zeit vermeintlich obsolet ist, hat sie doch noch immer eine ikonenhafte Ausstrahlung. Niemand – bis auf ein paar Verwegene – schreibt auf ihr. Und doch gilt sie als Inbegriff des Schriftstellertums. Sobald man ein Bild von ihr sieht, verbindet man sie automatisch mit produktivem Schreiben und einem Klick-Klack der Tastatur – selbst wenn man noch nie etwas mit ihr zu tun gehabt hat. Ich denke, dass das durch Medien wie Film und Fernsehen noch eine Zeit lang anhalten wird. Ein ähnliches Schicksal ist ja auch der Diskette vergönnt. Niemand speichert auf Disketten noch ab, aber dadurch, dass sie als Symbol fürs Abspeichern (siehe z.B. in Word) dient, wird sie uns noch erhalten bleiben.

Und auch die Schreibmaschine findet ihren Niederschlag in der heutigen Welt. Über das von ihr inspiriertem Keyboard QWERKYwriter habe ich hier ja schon öfters berichtet. Als ein weiteres Schreibmaschinen-inspiriertes Projekt wird der Lofree beworben – aber da spüre ich persönlich eigentlich nur einen Hauch von „retro“, von der Schreibmaschine an sich eher nicht so sehr.

Bei einem neuen Crowdfunding-Projekt, dem Penna von der chinesischen Firma Elretron Inc., wiederum empfange ich ganz starke Schreibmaschinen-Vibes.

© Elretron Inc.

Und wie man der Crowdfunding-Aktion auf Kickstarter entnehmen kann, herrscht bei den Usern anscheinend der Bedarf nach etwas Handfestem. Wahrscheinlich gibt es viel zu viele geräuschlose Touchscreens auf der Welt – hier giert man nach etwas Haptischem. Etwas, das den Fingern leichten Widerstand bietet, eine Geräuschkulisse, das Feedback über die eigene Produktivität gibt.

Anders lässt es sich nicht erklären, dass das ursprüngliche Crowdfunding-Ziel von 50.000 US-Dollar bereits um ein Vielfaches überschritten wurde – aktuell liegt der erreichte Betrag bei ca. 415.000 US-Dollar. Also über das 8-fache der gewünschten Summe. Und man kann das Projekt noch immer bis zum 6. Mai 2017 unterstützen. (Ehrlich, ich bin stark in Versuchung.)

Die Tastatur, die sich mit insgesamt bis zu fünf Geräten (egal, ob Windows, Android oder iOS) koppeln lässt, kommt wahlweise mit Diamond- oder Chrome Tasten geliefert, wobei letztere eher die Schreibmaschinen-Optik bieten. Die mechanischen Cherry-Tasten imitieren das Klick-Klack der Schreibmaschinen. (Obwohl… eine mechanische Schreibmaschine klingt einfach anders… seufz)

Im Gegensatz zum Qwerkywriter wird der Penna auch wahlweise mit der deutschsprachigen QWERTZ-Tastatur (also auch ä, ö, ü und ß) geliefert. Für mich definitiv ein Plus.

Auch farblich gesehen gibt es eine Auswahl: Von mattschwarz über Baby-pink bis hin zu olivgrün und weiß gibt es die Tastaturen. Was natürlich noch mehr Retro-Gefühle hervorruft. Ab 299 Dollar gibt es die Tastatur aber auch in Holz.

© Elretron Inc.

Ein großer Vorteil, den der Penna gegenüber dem Qwerkywriter hat, ist natürlich der Preis. Den Qwerkywriter gibt es laut Homepage regulär um 249 Euro (davor 349 Euro, für Crowdfunder damals 329 Euro). Den Penna gibt es in der Crowdfunding-Phase bereits ab 99 Euro (statt 180 Euro im Einzelhandel). Dabei schaut für mich der Qwerkywriter „wertiger“ aus, der Body besteht auch aus Metall, während der Penna halt Plastik (bis auf die teurere Holz-Variante) ist.

Wie beim Qwerkywriter hat auch der Penna einen dem Zeilenschalthebel nachempfundenen Hebel. Während beim Qwerkywriter damit tatsächlich Zeilen geschalten werden, hat der Hebel beim Penna eine Art Aufnahmefunktion. Sätze, die während des Aufnahmemodus getippt werden, können per Hebeldruck beliebig oft wiederholt werden. (Allerdings… wozu, zum Teufel, soll das bitte gut sein?!?)

Die Tastatur wird von zwei AA-Batterien betrieben, die sechs Monate halten sollen. Hier hat der Qwerkywriter einen Vorteil – er ist nämlich über USB-Kabel aufladbar.

© Elretron Inc.

Was mir bei der Aktion auffällt: Es scheint nicht wirklich um die Finanzierung eines Projekts zu gehen. Die Crowdfunding-Summe von 50.000 Dollar kommt mir nämlich nicht all zu hoch vor. Es wirkt eher so, als würden hier – wie man auch den Perks (es gibt im Wesentlichen nur die Keyboards als Preise) entnehmen kann – einfach Vorbestellungen entgegengenommen werden. Das ist jetzt nicht negativ gemeint, aber irgendwie geht mir doch etwas das Idealistische ab. Das Unterstützen einer Idee um der Idee willen. Die aktuelle Crowdfunding-Aktion ist einfach nur Business.

Rodja

PS: In Verbindung mit der Schreibmaschinen-App „Hanx“ (von Oscar-Preisträger Tom Hanks) stelle ich mir den Penna richtig cool vor. Natürlich wird es mir NICHT die Schreibmaschine ersetzen. Aber ja, ich bin definitiv in Versuchung…

INFO: www.elretron.com; Crowdfunding-Aktion: www.kickstarter.com/projects/1950503124/penna-retro-bluetooth-keyboard-starting-as-low-as

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Written by Gschichtldrucker

30. April 2017 at 17:24

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Der Onyx Boox Typewriter

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Kenner dieses Blogs wissen ja, warum ich mit der Schreibmaschine angefangen habe. Ich habe nach einer Möglichkeit für ungestörtes Schreiben gesucht – und in der Schreibmaschine gefunden. Ein Gerät, das nur schreiben kann – keine Spiele, keine E-Mails, kein Internet, keine Filme. Eben ablenkungsfrei.

Natürlich interessiere ich mich da auch für andere Schreibmöglichkeiten wie den Freewrite, den ich sogar als Backer unterstützt habe. Letztendlich habe ich aber doch meine Unterstützung zurückgezogen, weil mir in den Vorführungsvideos doch Sachen auffielen, die mir nicht so ganz taugten. Trotz seiner Mankos halte ich den Freewrite dennoch für eine sehr spannende Alternative (nur eben für mich nicht).

Nun hat sich die auf E-Reader spezialisierte Firma Onyx Boox anscheinend zu einem recht interessanten Projekt entschlossen – dem Onyx Boox Typewriter. Zwar gibt es noch nichts Offizielles auf ihrer Homepage, aber einige Berichte von einer Messe in Hong Kong lassen aufhören. Der Plattform liliputing zufolge ist der Onyx Boox Typewriter eine Art auf E-Ink basierender Laptop mit abnehmbaren Bildschirm, den man separat als E-Reader verwenden kann. Man kann sogar mit einem speziellen Stift darauf schreiben bzw. zeichnen.

E-Ink hat nicht nur den Vorteil, dass sie sparsam ist. Nein, sie ist auch ungeeignet für Spiele und Video (daher für ablenkungsfreies Arbeiten geeignet) – und noch dazu schwarz-weiß und augenschonender. Außerdem ist der Bildschirm wesentlich größer als beim Freewrite.

Wie man beim Video von Vlogger Charbax sehen kann, ist beim Tippen keine solche Verzögerung zu bemerken wie beim Freewrite (siehe meine Kritik in oben angeführtem Link).

Irgendwo habe ich auch gelesen/gehört, dass es zu dem Onyx Boox Typewriter auch Programme geben wird. Sicher für Autoren von E-Books interessant. Aber vielleicht gibt es auch dann ganz einfache Programme für Formate wie Drehbücher oder Theaterstücke.

Dem Vernehmen nach ist der Onyx Boox Typewriter noch nicht fix. Wahrscheinlich, dass die Produzenten erst herausfinden wollen, ob ein Markt für so ein Gerät besteht. Auf jeden Fall werde ich das Ding im Auge behalten.

Rodja

PS: Demnächst darf ich dank Autorenkollegen Anton Preinsack die Hände auf ein älteres Modell eines Word Processors legen, einen Alphasmart 3000. Da habe ich bis dato auch nur Gutes davon gehört.

INFO: https://liliputing.com/2017/04/onyx-boox-typerwriter-e-ink-2-1-laptop.html

Hier noch ein weiteres Video von der Plattform Notebook Italia.

Written by Gschichtldrucker

17. April 2017 at 09:55

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Weil’s so traurig ist, gleich noch einmal: Der Carl-Mayer-Drehbuchpreis

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© Rodja Pavlik

Gut, ich bin enttäuscht. Zutiefst. Da hat man die Story des Jahrzehnts geschrieben. Und dann gewinnt man den verdammten Carl-Mayer-Drehbuchpreis nicht. Hach!

Aber gut, nach etlichen Tränen und viel Whiskey (der rein zufällig den Namen „Writers Tears“ trägt) heißt es nun aufstehen, den Stolz runterschlucken und weitermachen. Denn der nächste Carl Mayer-Drehbuchpreis wartet schon. Und das Thema lautet…

„Loyalität“

(Ach fuck, echt jetzt?!?)

Bis zum 30. November 2017 (gültig ist das Datum des Poststempels) können fiktionale oder dokumentarische Treatments für einen Kinofilm anonym eingereicht werden. Die Entscheidung erfolgt dann im ersten Jahresdrittel 2018 in Graz. Ausgeschrieben sind 14.500,- Euro für den Hauptpreis und 7.200,- Euro für den Förderungspreis.

Die Treatments können sowohl von einzelnen Autoren als auch im Team entwickelt werden. Teilnahmeberechtigt sind alle Österreicher, Auslandsösterreicher und alle mindestens seit drei Jahren in Österreich wohnhaften Person.

Nicht teilnahmeberechtigt sind Stoffe, die vor der Juryentscheidung bereits eine Drehbuchförderung oder einen Drehbuchpreis erhalten haben oder bereits einmal beim Carl-Mayer-Drehbuchwettbewerb eingereicht wurden. Im Falle des Erhalts einer Förderung bzw. eines Preises im Zeitraum zwischen Einreichung und Juryentscheidung ist das Kulturamt der Stadt Graz unverzüglich davon zu verständigen, damit der eingereichte Stoff aus der Wertung genommen werden kann.

Weitere und genauere Details bitte dem unten angeführten Link entnehmen.

– – –

An dieser Stelle noch herzliche Gratulation an die Preisträger des diesjährigen Wettbewerbs, Evi Romen (Hauptpreis 14.500,- Euro für das Treatment „Hochwald“) und Nikolaus Müller (Förderpreis 7.200,- Euro für das Treatment „Rote Wand“).

Was mich momentan a bisserl irritiert… Laut Presse wurden für den Wettbewerb 27 Treatments eingereicht. Das ist ja gar nicht mal so viel – voriges Jahr waren es noch 40!

Haben österreichische Autoren es so dicke, diesen hochdotierten Wettbewerb auszulassen?

Rodja

INFO: Weitere Informationen zum Carl-Mayer-Drehbuchpreis unter http://kultur.graz.at/kulturamt/129

Written by Gschichtldrucker

6. April 2017 at 15:35

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