Gschichtldrucker

Von einem Schreiber – für Schreiber

Die Wiederentdeckung der Schreibmaschine

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© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Tja, was soll ich sagen… Ich habe die Schreibmaschine für mich wieder entdeckt. Obwohl… ich bin auch kein Gegner des Computers. Ich muss aber sagen, dass ich ziemlich leicht abzulenken bin, sozusagen einen schwachen Willen habe. Insofern lenkt mich das Arbeiten am Computer auch eher ab, bzw. hat sehr viele Ablenkungsmöglichkeiten zu bieten. Spiele, Internet, etc., etc.

Wenn ich im Text nicht weiterkomme, brauche ich kurz eine Abwechslung, checke E-Mails, surfe im Internet, bin auf Facebook. Und schwupps, schon bin ich ganz draußen aus dem Konzept. Meistens ist das Surfen im Internet sogar für die Arbeit. Mal schnell noch einen Link checken, der für den Artikel notwendig ist. Was hat der Soundso noch mal im „Standard“ geschrieben? Ah, der neueste Filmtrailer ist raus, mal schauen, wie der Film so ist, über den ich gerade schreibe.

ABER: Es lenkt auch ab. Wenn ich z.B. an einem Drehbuch oder einem Roman schreibe. Dann kommt mir die journalistische Arbeitsweise nicht unbedingt entgegen.

Und so habe ich mich nach Alternativen umgeschaut. Hemingwrite. USB-Typewriter. Alles Sachen, die entweder erst kommen und/oder aus Übersee sind. Und dann habe ich mich für Monica entschieden. Genauer gesagt eine Olympia Monica de Luxe. Eine mechanische Schreibmaschine aus den (schätze ich mal) 1980ern. Es ist eine Kofferschreibmaschine, ein schweres Ding. Es war nicht Liebe auf den ersten Blick, dafür gibt es wesentlich elegantere Schreibmaschinen.

Ich war mir auch nicht sicher, ob ich überhaupt eine Schreibmaschine haben wollte. Meine Mutter hat noch eine elektrische Brother daheim stehen, auf der ich in den 1980ern das Zehnfinger-System erlernte. Auf die hätte ich jederzeit zurückgreifen können. Aber zuerst ging ich mich mal informieren. Und es gibt sogar ein Geschäft in Wien, das Schreibmaschinen verkauft. Laut Ladenbesitzer gibt es die ja nicht mehr neu, sondern nur gebraucht. Er hat sich darauf spezialisiert, Restposten aufzukaufen. Also Maschinen, die nie benutzt wurden und die er erst servicieren muss (die Mechanik einer Schreibmaschine leidet nicht unter Abnutzung, sondern eben dann, wenn sie nicht benutzt wird). Bedenkt man die Mühen, solche Schreibmaschinen zu finden, zu überprüfen, Sachen auszuwechseln und zu servicieren, kann man sich vorstellen, dass so eine Schreibmaschine ganz schön teuer werden kann. Also ungefähr gleich viel wie ein preisgünstiger Laptop. Auf jeden Fall zu teuer für einen, der sich noch nicht sicher ist, ob er das überhaupt haben möchte.

Also ging ich an einem Samstag auf den Flohmarkt am Naschmarkt und drehte meine Runden. Und siehe da: Da standen ein paar Schreibmaschinen herum. Einige offen, andere eingepackt und versteckt. Aber mit der Zeit entwickelt man doch ein Gespür für die Formen der Koffer- bzw. Reiseschreibmaschinen. Ich testete einige durch, hatte sogar extra Papier mitgenommen. Alles so in der Preiskategorie zwischen 30 und 40 Euro. Und sobald ich das Klack, Klack vernahm, merkte ich, dass mir das Tippen Spaß machte.

Es gab schöne Maschinen, aber die hatten alle ihre Mankos. Entweder funktionierte ein Buchstabe nicht, der Wagen ließ sich nicht ganz zurückschieben oder die Mechanik war voller Flusen. Und dann sah ich Monica. Sie wirkte nicht nur schwer, sondern war es auch. Aber: Sie war sauber. Die Tasten funktionierten, der Wagen glitt mühelos hin und her – und auch der Tabulator war einwandfrei. Kostenpunkt: 25 Euro. Wie gesagt, ich wusste nicht, ob ich überhaupt eine Schreibmaschine haben wollte – und meinte frech 15 Euro. 20 Euro kam das Gegenangebot. Ich wollte zuschlagen, meinte aber noch, dass ich mich noch ein bisschen umschauen wollte. Da ging man auf die 15 Euro ein. Trotzdem wollte ich noch ein bisschen herumgehen. Ui, da wurde ich geistig mit allen möglichen Schimpfnamen bedacht. Dennoch zog ich los und fand nichts Vergleichbares.

Das Tückische an einem Flohmarkt ist ja Folgendes: Man kann sich noch so gut eine Stelle einprägen, wo man etwas gesehen hat… Die Chancen, diese wiederzufinden, sind sehr gering. Entweder das gewünschte Ding ist weg – oder man findet den Stand einfach nicht wieder. Schaut in der falschen Reihe nach, solche Sachen halt. Und das passierte eben auch bei Monica. Als ich dann doch wieder vor dem Stand war, war das mehr Zufall als Berechnung. Ich zahlte die 15 Euro und schnappte mir die Kofferschreibmaschine.

Und nun sitze ich daheim und möchte das schwere Ding nicht missen. Echt. Ich habe in den letzten Tagen schon mehr an meinem Zombie-Roman geschrieben, als in den letzten zwei Jahren. Es ist wunderbar. Ich werde nicht abgelenkt (okay, bei zwei Kindern in der Wohnung ist das schwer, aber zumindest die Neuen Medien fallen flach). Momentan tippe ich nur Notizen, die ich in einem Schnellhefter so reihe, dass sich langsam die Geschichte zusammenbaut. Ich schreibe den Anfang, das Ende, einen Teil dort, dann einen Teil da – und puzzle sie chronologisch hintereinander. Tippfehler? Scheiß drauf. Ich weiß, dass ich das Ganze irgendwann einmal in den Computer abtippen werde. Und das wird eine Heidenarbeit werden. Aber ich werde den Text sowieso überarbeiten müssen, also was soll’s? Und ich tue mir wesentlich leichter, wenn ich etwas haptisch in der Hand habe, als wenn ich Absätze auf meinem Computer hin- und herschiebe. Und: Wenn ich einen Gedanken habe, brauche ich nur zur Schreibmaschine gehen und tippen. Sie steht bereit, hat ein Blatt Papier immer eingespannt. So schnell kann kein Computer hochfahren (nicht mal ein Mac), habe ich schon den Satz abgetippt.

Ganz abgesehen davon, dass das Ganze etwas Zen-Buddhismus-mäßig Reinigendes an sich hat. Das Klack Klack der Schreibmaschine, das sich langsame Befüllen des Blatt Papiers. Ich tippe mich regelrecht leer. Karthasis, ich komme.

Und es hört nicht auf. Ich überlege gerade, mir eine Reiseschreibmaschine (Vielleicht eine Olympia Traveller de Luxe S? Mehr dazu vielleicht demnächst) zusätzlich zu kaufen. Einfach, um auch draußen im Park tippen zu können. Falls Ihr mich nicht kennt – und Ihr seht einen Mann bei schönem Wetter im Park tippen… Die Chancen stehen nicht schlecht, dass ich es sein könnte.

Rodja

PS: Dass man den Text nicht abspeichern kann, hat mich anfangs sehr gewurmt. Aber bis dato gibt es einfach noch nicht das perfekte Gerät.

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Written by Gschichtldrucker

10. März 2015 um 03:30

Veröffentlicht in News, Tipps & Tricks

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2 Antworten

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  1. Ich habe eine Schreibmaschine – auch eine Monica wenn mich nicht alles täuscht – bei meinen Eltern abgestaubt und eine Reiseschreibmaschine bei der Mutter meines Mitbewohners. Ich kann alle Punkte in deinem Beitrag voll und ganz nachvollziehen. Das Ablenken durch das Internet, das beruhigende des Klackens. Bei mir ist nur die Aussicht des wieder Abtippen müssens ein Hinderungsgrund, meine geliebten Schreibmaschinen mehr zu nutzen. Aber ich fühle mich durch deinen Beitrag sehr motiviert, die Maschinen wieder mehr zu integrieren. Wie du sagst, Notizen kann man auf jeden Fall damit schreiben.
    Viel Glück bei deinem Roman!

    keinkatalogdenken

    16. März 2015 at 08:22

    • Danke. Ich habe mir jetzt auch zwei Reiseschreibmaschinen zugelegt (irgendwie wird man süchtig danach :-D). Kann mich noch nicht ganz entscheiden, ob es die Olympia Traveller de Luxe S oder die Olympia Traveller C wird. Letzere wirkt stylish, aber eher wie ein Prototyp, der so seine Macken hat, erstere ist alt, hat aber ein präziseres Schriftbild. Muss noch austesten.

      Die Reiseschreibmaschine ist für draußen gedacht (Park, Urlaub).

      Gschichtldrucker

      16. März 2015 at 23:43


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