Gschichtldrucker

Von einem Schreiber – für Schreiber

Hemingwrite! Will haben!!!

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© Hemingwrite

© Hemingwrite


Ich mag Schreibmaschinen…

Ich bin ein Kind der 70er-Jahre. Mein Vater, ein einfacher Arbeiter, tippte Kurzgeschichten nach dem Zwei-Finger-Adler-Such-System für mich. In den 80ern lernte ich auf einer elektrischen Schreibmaschine das Tippen nach dem Zehn-Finger-System – und dann kamen ein Videowriter, PCs, ein Palm mit zusammenklappbaren Keyboard, ein Laptop und – aktuell – ein MacBook.

Ich mag meinen alten Laptop, ein IBM aus Ende der 90er, mit dem ich noch bis vor fünf Jahren tippte. Leider hat er kein USB und ich musste mir ein externes Diskettenlaufwerk kaufen, damit ich Daten auf andere Computer übertragen konnte. Ich liebte es, auf diesem alten Ding zu schreiben. Die Tastatur war gut und als Drehbuchprogramm nutzte ich ein Makro-Skript namens PlotPot. Und es gab nicht sehr viel Ablenkung (internettauglich ist das Ding wahrlich nicht – was natürlich auch die Gefahr von Viren sehr einschränkt). Auch „Game of Thrones“-Autor George R. R. Martin schreibt noch immer auf einem alten PC mit MS-DOS, berichtete einmal Gamestar.de – und ich verstehe ihn nur zu gut.

Mit dem MacBook sieht die Sache schon anders aus. Erstens muss ich das Ding mit der Familie teilen (Freundin braucht ihn auch zum Arbeiten, die Kinder wollen manchmal Clips auf YouTube schauen – und wenn Papa sich was anschaut, scharen sie sich um den Sessel), zweitens mag ich diese flach gehaltene Tastatur nicht, drittens ist das Aluminium sehr unangenehm, um die Handballen beim Tippen aufzulegen. Viertens habe ich als Drehbuchprogramm CeltX – und das mag ich einfach nicht. Es ist so überbordend an Funktionen und mag für Leute interessant sein, die auch gleichzeitig den Film produzieren und/oder drehen und sämtliche Aufstellungen (Requisiten, Rollen, etc.) und Zeitlisten gleich ausgedruckt brauchen. Aber rein zum Schreiben ist das Programm kein Vergnügen für mich. Da lobe ich mir doch das simple PlotPot.

Und der ganz große Nachteil des MacBook: Die Versuchung, sich ablenken zu lassen, ist sehr groß. Eben weil es so einfach ist. Mal schnell ins Internet, was recherchieren – und schon ist man aus dem Konzept draußen. Oder noch schnell eine E-Mail beantworten. Mal kurz auf Facebook gehen. Solche Sachen halt. Ich muss zugeben, ich bin recht willensschwach und schiebe unangenehme Dinge gerne vor mich her.

Insofern habe ich mir auch schon mal überlegt, so eine kleine Reiseschreibmaschine zu kaufen. Ich weiß nicht, ob sie noch hergestellt werden, aber auf Flohmärkten habe ich sie schon gesehen. Nachteil: Man hat zwar gleich ein Skript quasi „ausgedruckt“, aber das war’s dann auch – der Text ist nicht als Datei abgespeichert. Und wo bekommt man eigentlich noch Farbbänder her? Ich habe auch schon mit einem USB-Typewriter (siehe meinen Post hier) geliebäugelt. Da werden Kontakte mit den Tasten einer Schreibmaschine verlötet. Was man auf der Schreibmaschine tippt, erscheint dann auch am Computer – und das Ganze kann auch abgespeichert werden. Allerdings… eine Schreibmaschine ist nun mal massiv und nimmt Platz weg. Außerdem ist das doch ein bisschen teuer (wenn man sich die bereits manipulierte Schreibmaschine kauft) bzw. etwas für Heimbastler (man kann sich auch nur die Kontakte kaufen und selbst verlöten, das DIY-Set kommt auf jeden Fall billiger) – aber eben das bin ich nicht.

© Hemingwrite

© Hemingwrite

Und dann stoß ich auf dieses Gerät hier – die Hemingwrite (weiß grad nicht, welchen Artikel das hat, aber ich sage mal die, weil „die Schreibmaschine“).

Zwar ist die Hemingwrite (eine Anspielung auf Ernest Hemingway) derzeit nur eine Konzeptstudie von Adam Leeb und Patrick Paul, das Feedback darauf ist aber enorm.

Und ich weiß: Ich. Will. Das. Ding. Haben!

Die Hemingwrite sieht aus wie eine Schreibmaschine, die im 21. Jahrhundert angekommen ist. Also vom Design her – und weil es einen 6-Zoll-E-Ink-Bildschirm im Querformat statt Papier hat. Aber sonst kann das Ding nur eines: Schreiben. Damit empfängt man keine E-Mails, damit kann man auch keine Spiele spielen oder im Internet surfen. Man kann sich einfach nur aufs Schreiben konzentrieren.

Das Gehäuse ist aus robustem Aluminium – und es soll richtige Tastenmodule fürs Tippen geben. Die wichtigsten Funktionen lassen sich mit zwei großen Schalthebeln einstellen. Wie das zweite Bild schon zeigt, ist eine leichte Schräge drinnen, was mir wiederum sehr sympathisch ist. Der Akku reicht für sechs Wochen, die Speicherkapazität bis zu einer Million Seiten. Ganz aufs Internet wird auch nicht verzichtet, mittels WiFi oder Bluetooth kann man Texte mit Google Docs oder Evernote synchronisieren. Das war’s aber auch schon.

Mein Wunsch an die Macher noch: Dass sie auch Formate für Filmdrehbuch oder Theaterskript einbauen. Wann und zu welchem Preis der Typewriter kommt, ist noch unklar.

Einigen meiner schreibenden Bekannten habe ich die Hemingwrite gezeigt – und die waren auch vollkommen begeistert von dem Konzept.

Rodja

INFO: http://hemingwrite.com

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Written by Gschichtldrucker

3. Dezember 2014 um 03:54

Veröffentlicht in Tipps & Tricks

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Eine Antwort

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  1. […] geworden. Und ich sah mich schon auf einer Parkbank sitzen und tippen. Ich schrieb sogar einen Jubelbericht auf meinem Autorenblog – und damals  äußerte ich mich noch eher skeptisch über den Erwerb einer […]


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