Gschichtldrucker

Von einem Schreiber – für Schreiber

Archive for September 2014

Zach/Bauer – das Autorenduo hinter “Northmen – A Viking Saga”

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© Thimfilm/Ascot Elite

© Thimfilm/Ascot Elite

Noch internationaler wird’s nimmer.

In der deutsch-schweizerischen Produktion „Northmen – A Viking Saga“ unter der Regie des in den USA agierenden Schweizer Regisseurs Claudio Fäh landet am 23. Oktober 2014 in den deutschsprachigen Kinos ein Haufen internationaler Schauspieler wie Ken Duken (D, „Robin Hood“, „Banklady“), Tom Hopper (UK, „Merlin – Die neuen Abenteuer) und Ryan Kwanten (AUS, „True Blood“) als skandinavische Wikinger in Südafrika, das für Schottland ausgegeben wird – und das Drehbuch dazu stammt von den Österreichern Matthias Bauer und Bastian Zach. Der HomeMovieCorner sprach mit den beiden Autoren, die ursprünglich aus dem Independent-Bereich stammen, über Kurz- und Spielfilme, Romane und den Vorteil Schweizer Produktionsfirmen.

Bastian Zach ist 1973 in Leoben geboren und wuchs in Salzburg auf. Matthias Bauer teilt den gleichen Jahrgang, wurde aber in Lienz/Tirol geboren. Kennen gelernt haben sie sich schließlich beim Grundwehrdienst, den sie gemeinsam in Salzburg 1992 absolvierten. Die beiden stellten schnell fest, dass sie gemeinsame Film- und Buchinteressen hatten und wurden Freunde. Nach dem Bundesheer trennten sich ihre Wege, sie blieben aber ständig in Kontakt. Bastian Zach ging nach Wien und wurde selbstständiger Grafiker, Schnitt- und Synchronregisseur, Matthias Bauer studierte in Innsbruck und ist in der Tiroler Erwachsenenbildung tätig. 2001 beschlossen sie, auf ihre Liebe zum Film auch Taten folgen zu lassen. Mit einem Mini-Budget von 350 Euro drehten sie den Kurzfilm „ausWEG““, der gute Kritiken erhielt.

© Bastian Zach & Matthias Bauer

© Bastian Zach & Matthias Bauer

So etwas macht Mut und 2003 setzten sie dann im Rahmen ihrer (inzwischen aufgelösten) Filmgruppe Open Doors Productions den Lynch-artigen Kurzfilm „[infinite]“ um.

Das Budget betrug 3.500 Euro und wurde teilweise vom Land Tirol und der Stadt Innsbruck gefördert. Die VFX waren für damalige Verhältnisse bemerkenswert, „[infinite]“ wurde 2004 auf der „animago“, einem der führenden Wettbewerbe für visuelle Effekte, mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Der Film wurde auch 2003 im Rahmen des HomeMovieCorner-Programms „Crime, drugs & video“ im Votivkino gezeigt. (Womit sich auch ein kleiner Kreis zu „Northmen“-Regisseur Claudio Fäh schließt, dessen Kurzfilm „Hit The Highway, Honey“ in einem HomeMovieCorner-Special „Schweiz“ im gleichen Jahr im Filmcasino lief.)

„Morbus Dei“, der erste Versuch

Nach den ersten erfolgreich absolvierten Versuchen in der Sparte Kurzfilm wollten Zach und Bauer ihr Glück beim Spielfilm zu versuchen. In Zusammenarbeit mit Wega Film bereiteten sie Drehbuch und Regie des historischen Abenteuerfilms „Morbus Dei“ vor. Erzählt wird die Geschichte eines Deserteurs, der vor 300 Jahren im Winter in ein abgelegenes Dorf in Tirol flüchtet. Dort wird der Neuankömmling mit Misstrauen aufgenommen, hat die Gemeinschaft doch ein dunkles Geheimnis zu wahren. „Die Wega Film, Hanekes Hausfirma, war von der Story begeistert“, schildert Zach. Cine Tirol vergab sogar eine Drehbuchförderung, doch das fertige Skript wurde 2004 vom Österreichischen Filminstitut abgelehnt, das Projekt war quasi gestorben. „Zwei Jahre Arbeit im Ofen. Eine österreichische Erfolgsgeschichte“, meint Bauer ironisch.

© Bastian Zach & Matthias Bauer

© Bastian Zach & Matthias Bauer

„Visitenkarten“ selber machen

Natürlich ist so ein Rückschlag frustrierend. Doch die beiden Autoren gaben nicht auf und beschlossen, selbst einen Spielfilm zu drehen. Gemeinsam schrieben sie das Skript „3 Zimmer. Küche. Tod“ über eine Krankenschwester (Erika Kollmann-Till), die Nachtdienste macht und am Tag nicht schlafen kann, weil in ihrem Haus lautstark renoviert wird. Sie sucht eine neue Bleibe, doch für das ideale Objekt gibt es mehrere Interessenten (u.a. Julia „Die Siebtelbauern“ Gschnitzer), die sie – von Erpressung bis hin zum Mord – los werden will. Mit einem Budget von 25.000 Euro realisierten Bauer und Zach den Film selbst. Ein kleiner Filmstart in Österreich sowie eine DVD-Veröffentlichung beim deutschen Label Starmedia (Anm.: Gibt es leider nicht mehr, die hatten einige nette Indie-Filme im Programm) waren die Folge. Doch der Durchbruch blieb noch aus.

„Arbeitstechnisch war ‚3 Zimmer. Küche. Tod‘ ein absoluter Gewinn, weil wir auf die harte Tour lernten, einen Film von der Pike auf selbst zu machen. Finanziell war er ein Fiasko, weil er das Budget, das wir zur Gänze selbst investiert haben, nie einspielte. Und der Plan, den wir mit dem Film verfolgten, ging nicht auf: Er sollte uns als Visitenkarte dienen und zu weiteren Film-Aufträgen führen, und das ist nicht gelungen“, zieht Zach Resümee. „‚3 Zimmer“ war für uns aber vor allem deshalb wichtig, weil wir immer schon einen Film machen wollten. Egal was dann kam, wir konnten uns sagen: „Okay, wir haben es durchgezogen, hat so nicht geklappt, nächster Plan.'“

Der Schritt zum Trip

Kurz nach der bitteren Erfahrung mit „3 Zimmer. Küche. Tod“ wurden Matthias Bauer und Bastian Zach durch einen Artikel auf die Schweizer Produktion HesseGreutert Film aufmerksam. Sie stellten sich mit einem Genreskript vor, welches aber abgelehnt wurde. Trotzdem lachte ihnen diesmal das Glück: „Zufälligerweise wollte diese Firma schon länger ein Genreprojekt machen. Unseres hat ihnen zwar nicht gefallen, aber sie haben sich gesagt: ‚Oha, da kennt sich jemand im Genre aus, mit denen könnten wir doch was machen.‘ Wir haben dann ‚One Way Trip 3D‘ für sie als Auftragsarbeit – sie wollten einen Slasher mit Pilzen – entwickelt“, erzählt Zach.

© Ascot Elite

© Ascot Elite

In dem Film fahren acht junge Leute (u.a. Sabrina „In 3 Tagen bist du tot“ Reiter, Martin „In 3 Tagen bist du tot 2“ Loos und Tanja „Aufschneider“ Raunig) in den Jura, um den Spitzkegeligen Kahlkopf, einen Pilz, der halluzinogene Trips verschafft, zu suchen. Doch irgendjemand scheint sich am Trip der jungen Leute zu stören.

HesseGreutert Film fand in David Schalkos Firma Superfilm („Braunschlag“, „Bösterreich“, „Aufschneider“) einen österreichischen Produktionspartner, mit dem sie gemeinsam um Filmförderungen ansuchen konnten. „Erst als 3D-Projekt wurde ‚One Way Trip‘ von sämtlichen Förderstellen in der Schweiz und Österreich gefördert, es gab dem Projekt damals (2008) noch etwas Besonderes. Heute ist das was anderes, aber damals war ‚Avatar‘-Zeit, 3D also noch sehr im Kommen“, erinnert sich Bauer. „Wir haben natürlich einige typische ‚In your face‘-3D-Szenen hineingeschrieben, aber nicht zu viele – das Ziel war eher, von den billigen 3D-Jahrmarkt-Effekten wegzukommen und dem Ganzen eine wirkliche räumliche Tiefe zu geben‘, beschreibt Zach die Auswirkungen auf das Drehbuch.

Nach dem Abliefern des Drehbuchs war es dann für die beiden Autoren erst einmal getan. Skriptänderungen wurden schließlich von Regie und Produktion selbst vorgenommen. „Nicht immer zum Guten, aber so ist es halt, damit muss man als Autor zurecht kommen. Film ist Teamwork – wer nichts an seinem Werk geändert haben will, muss Gedichte schreiben und die im Selbstverlag rausgeben“, findet Zach. „Wir waren zwei Tage am Set, was sehr cool war – ein millionenteurer 3D-Slasher wird im deutschsprachigen Raum auch nicht alle Tage gedreht“, erzählt Bauer noch von einem Highlight bei „One Way Trip 3D“.

© Bastian Zach & Matthias Bauer

© Bastian Zach & Matthias Bauer

„Morbus Dei“ – das Revival

Nach „One Way Trip 3D“ kam das Autorenduo zu einer Entscheidung. Nachdem anscheinend niemand das Skript zu „Morbus Dei“ verfilmen wollte, entschlossen Zach und Bauer, sich in einem anderen literarischen Feld zu versuchen. Sie nahmen das Grundgerüst von „Morbus Dei“ und entwickelten daraus eine Roman-Trilogie. „Morbus Dei – Die Ankunft“ erschien 2010 beim Haymon-Verlag in Buchform. 2012 und 2013 folgen die Bände „Morbus Dei – Inferno“ und „Morbus Dei – Im Zeichen des Aries“. „Das Drehbuch war nur die Basis für den ersten ‚Morbus Dei‘-Roman. Dramaturgisch hat sich im Roman eine Menge geändert: Der Storybogen blieb der gleiche, aber nachdem ein Roman umfangreicher als ein Drehbuch ist, kamen natürlich sehr viele neue Storyabzweigungen, Charaktere, Atmosphäre etc., dazu“, erläutert Zach den Unterschied zwischen Drehbuch und Roman.

Go North! Go International!

2012 entschloss sich Ralph S. Dietrich, seines Zeichens CEO bei der Schweizer Elite Filmproduktion, einen Wikingerfilm zu drehen. Da „One Way Trip 3D“ über die Mutterfirma Ascot Elite Entertainment Group verliehen wurde, kannte man auch Matthias Bauer und Bastian Zach. Die beiden Österreicher wurden für die Auftragsarbeit an ‚Northmen – A Viking Saga‘ engagiert. Bauer und Zach präsentierten gleich mehrere Ideen. „Für das Setting und das Budget gab es klare Vorgaben“, erinnern sich die Autoren: „Aber bei der Ideen- und Charakterzeichnung hatten wir freie Hand.“ Bauer und Zach überzeugten die Auftraggeber mit ihrem Ansatz, die Wikinger bei einem Sturm an der schottischen Küste stranden zu lassen und ihren dortigen Überlebenskampf zu schildern. Bauer: „Die Herausforderung war wie immer die Story. Nachdem ‚Northmen‘ ohne jegliche Förderung finanziert wurde und ein millionenschwerer Streifen ist, galt es, allein mit dem Drehbuch internationale Verleiher von dem Projekt zu überzeugen, darin zu investieren – und das ist gelungen.“

© Ascot Elite

© Ascot Elite

Südafrika statt Nordirland

Die Geschichte, die in Schottland spielt, sollte ursprünglich in Nordirland verfilmt werden. Doch als das Land den Zuschlag für den Fernsehhit „Game Of Thrones“ bekam, konzentrierten sich sämtliche Fördergelder und filmische Arbeitskräfte auf dieses Projekt. Schottland selbst schied wegen der dortigen hohen Produktionskosten aus. Die nächste europäische Alternative war Island. Die Insel beeindruckte die Produzenten zwar durch seine schroffe Landschaft, doch auf Island sind nur die kleinen Islandpferde vorhanden. „Unsere eigenen Pferde hätten wir nur mit einer Quarantänezeit von vier Monaten mitbringen und hinterher nicht mehr ausführen dürfen“, beschreibt Elite-Produzent Daniel Höltschi im Presseheft die bürokratischen Hürden. Schließlich schlug Frank Kaminski vom deutschen Produktionspartner Jumping Horse Film Südafrika vor. „Als Frank Kaminski Südafrika vorschlug, dachte ich zuerst, er wäre verrückt“, verrät Regisseur Claudio Fäh im Presseheft. „Doch nachdem ich Fotos von möglichen Locations gesehen hatte, war ich total überzeugt, den Film dort und nicht in Bulgarien oder im echten Schottland drehen zu wollen.“ Die vielfältige Landschaft Südafrikas bietet Steilküsten und Highlands, wie man sie in Schottland findet, aber zugleich auch das passende Klima. „Die meisten Leute meinen, in Afrika scheine immer die Sonne, und wissen gar nicht, dass der Winter im südlichen Teil des Landes sehr regnerisch, kalt und stürmisch sein kann“, so Frank Kaminski.

„Für ‚Northmen‘ mussten wir, wie bei unseren ‚Morbus Dei‘-Romanen, beinhart den historischen Hintergrund, in dem unsere Geschichte spielt, recherchieren. Man muss sich in jeder Szene überlegen, ob alles passt – vom Trinkbecher bis zur Streitaxt“, erklärt Bauer eine der Herausforderungen der Geschichte im Interview mit dem HomeMovieCorner. „Northmen – A Viking Saga“ ist im Gegensatz zu den bisherigen Filmprojekten „3 Zimmer. Küche. Tod“ oder „One Way Trip 3D“ wirklich groß und international angelegt. „Natürlich gibt es bei einem so großen Projekt, das weltweit in die Kinos kommt, einiges zu berücksichtigen. Man muss quasi in alle Richtungen ‚bigger, better, louder‘ denken“, so Zach. Die Geschichte ist frei erfunden, die Figuren und Abenteuer basieren aber auf historischen Vorbildern. „Wenn man sein Leben lang liest und Filme schaut, beeinflusst das unbewusst auch das Schreiben eines Drehbuchs“, erklären die beiden selbstkritisch. „Die Kunst ist es dann, keine Kopie von etwas zu machen, sondern aus den Inspirationen etwas Neues zu erschaffen.“ Nach dem Sichten der ersten Muster sind die Autoren mehr als zufrieden: „Das Filmteam hat eine Wahnsinns-Arbeit geleistet – ‚Northmen‘ wird ein Knaller!“

Die Zach/Bauer-Arbeitsmethode

Nachdem Bastian Zach in Wien und Matthias Bauer in Innsbruck leben, ergeben sich natürlich bei der Zusammenarbeit gewisse Schwierigkeiten. Man kann sich nicht ein gemeinsames Büro mieten, ja, sich nicht einmal einfach auf einen Kaffee treffen, um die Arbeit zu besprechen. „Rein organisatorisch ist es nicht immer leicht. Wir haben beide Familie und normale Jobs, schreiben also nebenher“, gibt Zach zu bedenken. Dennoch klappt es: „Das Grundgerüst einer Story entwickeln wir zusammen, dann teilen wir es auf und jeder schreibt seine Abschnitte. Die schicken wir uns gegen, überarbeiten, diskutieren – das Ganze geht schließlich so lange, bis wir beide zufrieden sind“, beschreibt Bauer die Schritte. „Das wird naturgemäß dann und wann richtig stressig. Und doch: Wenn man einen guten Schreibtag hat, wenn einem die Szenen so detailliert vor den Augen stehen und so rasant ablaufen, dass man mit dem Schreiben kaum nachkommt und das Geschriebene richtig GUT wird – das sind dann die Momente, in denen man weiß, warum man es macht“, schwärmt der Tiroler. „Es zählt immer nur das beste Argument, weil wir immer das beste Buch oder Drehbuch haben wollen“, ergänzt Zach.

© Sabine Ranocha

© Sabine Ranocha

Rat und Tat und Auslandserfahrungen

Gibt es zum Abschluss noch einige Tipps für angehende Autoren? „Grundsätzlich können wir nur sagen: Lasst Euch nicht ausnutzen! Kreativität ist eine Leistung, die genau so entlohnt gehört wie jede andere Arbeit“, rät Bauer. Das sei auch ein Grund, warum den beiden Drehbuchschreibern die Schweiz so liegt. „Wir arbeiten sehr gerne mit Schweizer Produzenten, weil sie zu ihrem Wort stehen und nicht zuletzt auch ordnungsgemäß zahlen. In Österreich heißt es, wenn man noch nicht total in der offiziellen Förderschiene etabliert ist, von Produzentenseite her oft: ‚Interessante Idee, schreibt’s mir doch mal ein Drehbuch oder ein Treatment, dann schaun wir weiter“ – und dann wird natürlich NICHT weitergeschaut. In der Schweiz haben wir das anders erfahren“, so Bauer.

Da viele Drehbuchschreiber mit der Auftragssituation in Österreich unzufrieden sind und mit dem Gang ins Ausland liebäugeln, gibt Bastian Zach noch Folgendes zu bedenken: „Ob man im Ausland mehr Erfolg hat als daheim, hängt nicht zuletzt davon ab, was man machen will. Kommerziell angehauchtes Genre – und ich meine jetzt nicht den Kabarettfilm – sind bei uns in Österreich aufgrund der eingefahrenen Förderer- und Produktionsstrukturen fast nicht zu verwirklichen. Da heißt es immer nur: ‚Das können die Amerikaner besser.‘ Was natürlich Blödsinn ist, es wagt nur niemand bei uns. Leichter hat man es aber auch im Ausland nicht unbedingt, denn dort wartet bekanntlich niemand auf einen. Aber die Chance besteht natürlich, wir können daher nur empfehlen, das eigene Projekt so professionell wie möglich vorzubereiten und dann gezielt zu pitchen. Denn eines ist gewiss: Erst wenn man im Ausland Erfolg hat, öffnen sich daheim vielleicht die Türen.“

Die Schweiz ist nicht nur das Land, wo Milch und Honig fließen, finden die beiden Genre-Schreiber. „Die Schweiz hat Top-Filmleute, aber leider eine in vielen Belangen ähnliche Filmstruktur wie Österreich. Das meiste ist auf staatliche Förderung ausgelegt, der ‚anspruchsvolle‘ Film hat Priorität. Das Resultat ist, dass die Schweizer Kinogeher dem eigenen Film nicht all zu aufgeschlossen sind, weil es wie hier in Österreich zu schwere Kost ist. Es ist die alte Crux: Arthouse hat seine absolute Berechtigung, aber es muss halt auch Platz für Kommerz sein“, erklärt Zach. „Hin und wieder gibt es große kommerzielle Schweizer Erfolge, wie letztens ‚Der Verdingbub‘ und ‚Achtung, fertig, WK‘, aber insgesamt sehr wenige – ähnlich wie in Österreich. Projekte, die auf ein breiteres Publikum zielen, wie ‚One Way Trip’ oder ‚Northmen‘ bleiben die Ausnahme“, wirft Bauer ein.

Einen weiteren Rat kann Matthias Bauer auch noch geben: „Man muss Kritik ernst nehmen und versuchen, daraus Potenzial zu schöpfen und nicht das Künstler-Ego in den Vordergrund zu stellen. Aber man sollte auch den feinen Grad zwischen ‚besser machen‘ und ‚einfach nur anders‘ erkennen. Das klingt zwar vielleicht hochtrabend, wir mussten diese Lektionen aber auf die harte Tour lernen.“

Die beiden sind froh, dass sie noch ihre Brotjobs haben, denn vom Drehbuch schreiben alleine können sie noch nicht leben. „Drehbücher sind ein mehr als nettes Zubrot. Die Bücher nicht mal ansatzweise, aber hier zählt das Renommee, da der Roman halt doch die Königsform ist“, erklärt Bauer. „Wir können nur jedem, der nicht mindestens zwei bis drei Drehbuchaufträge parallel laufen hat oder Bestsellerautor ist, einen fixen Job empfehlen“, bestätigt Zach.

To be continued…

Matthias Bauer und Bastian Zach selbst standen seit „3 Zimmer. Küche. Tod“ nicht mehr hinter der Kamera. Für den Kurzfilm „Sophie“ von Vlado Priborsky („Blockbuster“) hat Zach noch einige Visual Effects gemacht – das war’s dann aber auch schon. „Schreiben ist angenehmer – wenn andere am Set frieren, macht man es sich selbst zu Hause im Warmen gemütlich und tippt ein paar Skriptänderungen“, schmunzelt Bauer. „Aber man soll niemals nie sagen. Wenn neue, größere Drehbuchaufträge folgen, könnte irgendwann auch wieder der Schritt zur Regie folgen“, will Zach es letztendlich auch nicht ausschließen. Die „Morbus Dei“-Trilogie, die bis jetzt schon über 100.000 Mal verkauft/als E-Book downgeloadet wurde, wird zur Zeit für den englischsprachigen Markt aufbereitet. „Es gibt Pläne, ‚Morbus Dei‘ zu verfilmen. Und bei Erfolg gibt’s vielleicht auch ein ‚Northmen‘-Sequel. Mal schaun – wir bleiben dran“, so Matthias Bauer abschließend.

Rodja Pavlik

INFO: Site der Autoren: www.zach-bauer.com; Film-Site: www.northmen-themovie.com

Trailer zu „Northmen – A Viking Saga“

Trailer zu „One Way Trip 3D“

Trailer zu „3 Zimmer. Küche. Tod.“

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Written by Gschichtldrucker

25. September 2014 at 01:37

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Pitchen, bitch!

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Drehbuchautoren und Schriftsteller sind Künstler. Oft arbeiten sie alleine, sind in ihrer eigenen und eigens geschaffenen Welt versunken und haben während dieser Zeit mit der materiellen Welt da draußen nicht viel zu tun. Doch dieser Glückszustand (ich bezeichne ihn mal so) währt nicht ewig. Irgendwann muss man aus seinem Kokon heraus, muss Dinge tun, die einem vielleicht nicht so liegen, nämlich: sich selbst verkaufen! Und gerade bei Drehbüchern muss man innerhalb kurzer Zeit konzentriert und höchst präzise etwaigen Interessenten seine Geschichte verkaufen. Das nennt man Pitchen/Pitching.

Der immer wieder hörenswerte Podcast „Stichwort Drehbuch“ hat Sybille Kurz interviewt, die seit 1995 eben dieses Pitching trainiert. Sie hat auch schon das Buch „Pitch it! Die Kunst, Filmprojekte erfolgreich zu verkaufen“ veröffentlicht, das zu den Standardwerken zu diesem Thema gehört. Das Werk ist schon von 2000, wird aber mit neuen Details im November neu aufgelegt.

Im Anschluss an die Podcast-Folge mit Sybille Kurz gibt es auch noch die Möglichkeit, drei Exemplare der Neuauflage zu gewinnen.

Hier geht es zum Podcast: www.stichwortdrehbuch.de/podcast/2014-09-07_pitchen

Rodja

Written by Gschichtldrucker

23. September 2014 at 14:04

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Schallende Ohrfeige von Netflix für deutsche Filmproduktionen

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© Netflix

© Netflix

Uff, das sitzt – und tut weh.

Der US-Videostreamingdienst Netflix wird ja momentan als das Maß aller Dinge angesehen. Serien wie „Fargo“ oder „The Walking Dead“ sind zu einem vernünftigen Preis auf allen Streaming Devices erhältlich. Und nicht nur das: Netflix setzt auch mit eigenproduzierten Serien wie „House Of Cards“ oder „Orange Is The New Black“ neue Maßstäbe. Das Repertoire lässt sich also wie folgt zusammenfassen: Mutig, kontrovers, Genre-affin und doch was Neues wagend – und noch dazu für alle möglichen technischen Endgeräte wie Computer oder Tablets geeignet, was wiederum neue Publikumsschichten verspricht.

Natürlich wird man als deutschsprachiger Autor, Produzent oder Filmemacher hellhörig, wenn Netflix im Juli diesen Jahres verlautbart, dass es nun auch in Deutschland und Österreich starten möchte. Vielleicht haben dann ja auch deutschsprachige Genreformate, die weder bei hiesigen Öffentlichen noch Privaten Sendern eine Chance haben, eine Chance? All die Geschichten, die in den Schubladen lagern, weil sie hierzulande sowieso nie verwirklicht werden? Und tatsächlich, noch am 31. August verlautbarte Netflix-CEO Reed Hastings gegenüber dem „Spiegel“, dass man deutsche Serien produzieren wolle.

Doch auf den ersten Jubel folgt nun auch schon der Katzenjammer. Nachdem Netflix am Dienstag in Deutschland und am Mittwoch in Österreich gestartet ist, gab es nun von Reed Hastings im Interview mit Blickpunkt:Film eben die im Titel angekündigte schallende Ohrfeige: „Wir haben in Deutschland Ausschau gehalten nach geeigneten Stoffen – aber nichts gefunden.“

Uff, dieses „Danke, aber vorerst lieber doch nicht“ sitzt. Ein Schlag in die Magengrube. Eine Nachricht, die die Filmemacher doch etwas ratlos zurück lässt. Und einer Analyse bedarf, wie sie der deutsche Drehbuchautor Mark Wachholz von der Interessensgemeinschaft Neuer Deutscher Genrefilm in seinem sehr lesenswerten und ausführlichen Essay liefert. Und ich bitte Euch, nehmt Euch die Zeit, den Text durchzulesen.

Rodja

INFO: http://genrefilm.net/von-netflix-den-spiegel-vorgehalten/

Written by Gschichtldrucker

19. September 2014 at 14:24

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Wie werde ich Drehbuchautor?

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Tja, das ist eine gute Frage und auch sicher nicht allgemein gültig zu erklären. Die Deutsche Presse Agentur (dpa) hat sich aber aufgeschwungen, ein paar Leute befragt und einen kleinen Aufsatz darüber geschrieben. Ob man daraus Wissenswertes für die eigene Laufbahn extrahieren kann, sei dahin gestellt. Für mich persönlich nehme ich mit, dass es anscheinend für Quereinsteiger immer schwieriger wird.

Hier geht es zum dpa-Artikel auf der Site der Neuen Frankfurter Presse.

Rodja

Written by Gschichtldrucker

15. September 2014 at 15:08

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