Gschichtldrucker

Von einem Schreiber – für Schreiber

Archive for Juni 2012

Nora Ephron verstorben

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Ui, das kam jetzt ein bisschen überraschend. Die legendäre Regisseurin und Drehbuchautorin Nora Ephron ist im Alter von 71 Jahren an Leukämie verstorben.

Ich kann mich noch erinnern, als ich das erste Mal „Harry & Sally“ sah, zu dem sie das Drehbuch schrieb. Ich, ein gestandender Metal-Freak, saß damals mit meiner ersten Freundin (einem wandelnden Benetton-Meter) im Kino. Mag sein, dass damals aufgrund der frisch erwachten Liebe die Pheromone mich übermannten und ich einen „soft spot“ hatte – aber selten habe ich mich bei einer Liebeskomödie so mit Leib und Seele amüsiert. Beinahe angepisst vor Lachen hätte ich mich, um der Wahrheit die Ehre zu geben.

Da fiel mir das erste Mal der Name Nora Ephron auf – und wir sprechen hier von Pre-Internet-Zeiten. Es war also nicht sehr einfach, Daten über diese Drehbuchschreiberin zu bekommen. Der Name blieb im Gedächtnis haften, und siehe da: Es kamen Filme wie „Schlaflos in Seattle“ (der wandelnde Benetton-Meter saß noch immer neben mir) oder „E-Mail für dich“ (jetzt nicht mehr), zu denen sie nicht nur die Drehbücher schrieb, sondern auch noch Regie führte. Gutes, solides Handwerk, aber irgendwie nicht mehr ganz so meins. Ich habe mich noch immer amüsiert, das sicher – aber irgendwie war es mir einfach zu viel. Oder wurde Meg Ryan noch süßlicher als sonst dargestellt? Ich weiß es nicht.

Obwohl Ephrons letzte Filme nur mittelmäßig („Bewitched“) waren bzw. meinen Wahrnehmungsradar („Julie & Julia“, der hat jedoch ganz gute Kritiken bekommen) unterliefen, wird Nora Ephron für mich immer ein Idol bleiben. Nur einmal so eine Liebeskomödie wie „Harry & Sally“ zu schreiben, nur einmal so gegensätzliche Charaktere glaubhaft ineinander verlieben zu lassen, nur einmal so einen Hit zu landen… ja, das wär was!

Okay, „E-Mail für dich“ würde zur Not auch reichen.

Danke, Nora

Rodja

Hier zu einem ausführlichen „Spiegel“-Artikel: Eine witzige Dame verlässt Hollywood

Written by Gschichtldrucker

27. Juni 2012 at 16:41

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The wise old jazz of typewriter sound

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What’s that tapping underground?
It’s the wise old jazz of typewriter sound.
The keys that tapped out the stories of yore.
I feel the black ribbon sobbing out of every pore.

„The Dent In The Fender And The Wheel Of Fate“, Jackie Leven (CD „Lovers At The Gun Club“)

Wenigstens in Filmen ist sie noch vertreten: Die gute alte Schreibmaschine. Immer wieder sehe ich Filme, in denen Schreiberlinge vor so einem Ding sitzen und schreiben. Ist auch verständlich: Computertastaturen und ein Bildschirm, auf dem sich Zeilen virtuell aufbauen, sind irgendwie unsexy.

Ja, ich bin noch mit so einer Hardware aufgewachsen. Mein Vater schrieb Kurzgeschichten für mich mit dem Zweifingersystem auf einer mechanischen US-Schreibmaschine. Ich glaube, es war eine Underwood – und ich habe dieses Ding geliebt. Man konnte der Mechanik zuschauen, wenn man eine Taste drückte. Und der Geruch war auch was ganz Eigenes. So metallisch und doch irgendwie tintig.

Das Schreiben auf der Tastatur lernte ich noch auf einer elektrischen IBM – und in meinen letzten Schulklassen fing das Arbeiten mit einem Textverarbeitungsprogramm auf dem PC erst an. Tja, der PC hat sich durchgesetzt – nur halt im Film noch nicht ganz. Wenn auf Leinwand jemand etwas mit viel Herzblut schreibt, dann auf einer Schreibmaschine und nicht am PC.

Witzigerweise hat sich ein US-Unternehmen darauf spezialisiert, alt und neu zu vereinen. Jack Zylkin bietet auf seiner Site USB-typewriter.com alte Schreibmaschinen an, die mittels USB an den Computer oder sogar ans iPad angeschlossen werden können und mit denen man tadellos Texte tippen und auf PC abspeichern kann. Und der Vorteil: Man hat nach dem Tippen sofort eine „hard copy“ des Textes und muss nicht erst umständlich auf „Drucken“ gehen. ;-D

Das hat natürlich seinen Preis – vor allem die Schreibmaschinen sind nicht gerade billig. So ab ca. 580,- Dollar aufwärts muss man dafür hinblättern – und das exklusive Versandkosten. Wer es billiger will, bekommt um 61,19 Dollar (exkl. Versandkosten) die nötigen Utensilien, um die eigene Schreibmaschine mit dem Computer zu verkabeln. Dazu muss man aber Löten können.

Ich schwör’s, wenn Jack Zylkin auch eine Schreibmaschine mit einer deutschen Tastatur hat, kauf ich mir das Ding.

Rodja

INFO: http://www.usbtypewriter.com/

Written by Gschichtldrucker

4. Juni 2012 at 17:34

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